Kolumne: Momente der Stille
Hatten Sie einen guten Start in den Advent? Ist er für Sie eine Zeit mit noch mehr Arbeit und noch mehr Terminen, oder gönnen Sie sich Momente der Stille und Besinnung? Ganz gewiss doch warten Sie sehnsüchtig auf die Wiederkehr des Herrn. Ja, wenn das so einfach wäre, wenn das so leicht gelänge!
Oft ist es doch so – wenigstens mir ergeht es so: ich tue, was ich zu tun vermag, und versuche so meine, unsere Lebenswelt zu gestalten. Ich erledige Korrespondenz, höre jemandem aufmerksam zu, bringe einen Mitbruder zum Arzt und vieles andere. Ich erfülle viele ähnliche Aufgaben. Ich tue das in der Überzeugung: der Herrgott hat mir Willen und Verstand gegeben, und die bringe ich hier nach Kräften ein. Und begegne dabei dem Herrn. Ich denke an eine Frau, die mit leerer Geldtasche vor den letzten zwei Wochen des Monats steht und Hilfe zum Lebensunterhalt erbittet. Ihr kann ich mit unserem Vermögen helfen. Manchmal sind es Gaben, mit denen Menschen uns großzügig unterstützen. Ich denke an einen Mitbruder, der völlig unerwartet die Diagnose Krebs, unheilbarer Krebs erhält. Bangen Herzens besuche ich ihn, weil ich nicht weiß, wie ich ihn trösten kann – und sehe, wie gut er mit seiner Situation umgehen kann, und ich kehre getröstet und zuversichtlich nach Hause zurück. Letztere Erfahrung zeigt mir: angesichts unheilbarer Krankheit vermag ich nicht zu helfen. Diese Erfahrung geht über das hinaus, was ich aus eigener Kraft tun kann.
Demütige Achtsamkeit für Gott und sein Wirken. Dafür will ich wachsam sein. Dafür gönne ich mir Momente der Stille. Damit ich nicht aus dem Auge verliere: Gott schenkt Größeres, Kostbareres als ich es zu tun vermag. Nicht zu tun, was ich mit meinen Kräften, was ich mit meinen Möglichkeiten tun kann, wäre falsch. Ebenso falsch wäre es, nicht über das hinaus zu hoffen, was wir zu tun vermögen. Gott schenkt reichlich, er schenkt sich selbst. Dem gehen wir im Advent entgegen.