Kolumne: Sind wir noch zu retten?
Hat die Menschheit denn nichts dazugelernt?
Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, die letzten Zeitzeugen leben noch, gibt es wieder Krieg in Europa. Nach furchtbaren Völkermorden, die Erinnerungen sind noch recht frisch, gibt es wieder mehr Ausgrenzung und Gewalt gegen Minderheiten. Die großartige Erfindung der UN hat uns eine Weltordnung vor Augen gestellt, die inzwischen wieder in Frage geraten ist. Trotz einschneidender Wetterereignisse und -katastrophen kommt der globale Klimaschutz nur schleichend voran.
Aber auch in meiner Umgebung, in den immer wieder sich ähnelnde Problemlagen, entstehen in der Gemeinschaft Fragen und Schwierigkeiten über die wir – so dachte ich – doch eigentlich schon hinaus waren. Und vor allem bei mir, in meinem Leben: oft das gleiche Versagen, in das ich persönlich gerate. Habe denn auch ich garnichts dazugelernt?
Sind wir noch zu retten? Man möchte manchmal aufgeben. Und wir sollten aufgeben. Aufgeben, die Lösung allein bei uns zu suchen, aufgeben zu denken, wir könnten es richten, wir könnten uns und die Welt um uns nachhaltig verbessern. Allem Anschein nach können wir es nicht, nicht im eigenen Leben, nicht im kleinen Umkreis und nicht global.
Sind wir noch zu retten? Das Angebot von Hilfe und Heil kommt von woanders her, kommt von außen und oben. Rettung kommt direkt von Gott: Schaut auf und erhebt eure Häupter: eure Erlösung ist nah! Wir brauchen den Aufblick auf das, was von außen, von oben an uns herantritt: Schaut auf.
Eine Fülle von verheißungsvollen Bildern bietet uns der Weihnachtsfestkreis an: Licht, das im Dunkel scheint, ein lebendiger Sproß, der aus dem totgeglaubten Baumstumpf herauswächst, Quellen, die mitten in der Wüste entspringen, Schwerter, die sich zu Pflugscharen wandeln, ein Festmahl für alle, wirklich alle Völker. Und vor allem: Das Kind, das in einer feindseligen Welt seinen Weg macht und uns die Liebe Gottes verkörpert. Auf welches dieser Bilder kann ich mich in diesem Advent 2025 einlassen, welcher Verheißung kann ich mich sehnsuchtsvoll und ahnungsvoll überlassen? Wir brauchen sie, die Bilder von Rettung, die wir uns aus der Sphäre Gottes zusprechen lassen.