Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Transformation geschieht im Alltag

Vor 2,5 Jahren wurde ich angefragt, ob ich mit unseren Schwestern in Deutschland Leben und Mission teilen möchte. Mit gemischten Gefühlen sagte ich zu, denn ich wußte nicht, was auf mich zu kommt.

Ich musste vieles neu lernen: die Sprache, die Kultur und die Lebensweise, genauso wie das Kommunitätsleben, das heute für mich Mission und ein wesentlicher Bestandteil meines eigenen Wachstums ist. Persönlicher Austausch, Gebet und Reflexionen zu unseren Gemeinschaftsdokumenten helfen mir in der interkulturellen Kommunität meine eigene Perspektive zu weiten. Durch diese gelebten Beziehungen wurde mir klar, daß mein persönliches Wachstum eng mit den anderen um mich herum verquickt ist.

Diese Einsicht hat mein Missionsverständnis neu definieren lassen: anderen zu dienen, ihnen Würde zu geben und mit Mitgefühl auf sie zuzugehen. Mein Dienst an den Obdachlosen findet nicht isoliert von mir selbst statt, sondern in aufrichtiger Beziehung, wo Leben geteilt und Herzen bewegt werden.

Wir arbeiten zusammen mit unseren bunten Fäden, bestehend aus Verletzungen, wiedergewonnenem Vertrauen und Sehnsucht nach Angenommen sein, Respekt und Heilung. Wir können kaum die gleiche Sprache sprechen und verstehen uns oft nicht. Doch wir gaben nicht auf, wir entwickelten eine Sprache ohne Worte, die Sprache der LIEBE und die Haltung des SEINS. Nur durch Gesten und Handlungen wurde ein gegenseitiges Geben und Nehmen möglich, von dem ich mich am meisten beschenkt fühle. Diese Menschen entfachten in mir ein Licht, das einst erloschen ist und nun wieder leuchtet. Im Rückblick erkenne ich das Eingreifen Gottes sowie Momente der Begegnungen in mir selbst, die es mir ermöglichten aus diesen Erfahrungen, Wandlung geschehen und Hoffnung wachsen zu lassen.

Die Obdachlosen haben mich in die Lage versetzt, mich auf Beziehungen einzulassen, geduldiger und mutiger auf die Bereiche zu schauen, in denen ich selbst wachsen muss. Dadurch werde ich mehr und mehr zur heilenden Präsenz in unserer verwundeten Welt.

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Über die Autorin

Sr. Firstlymary Lyngdoh MMS ist eine missionsärztliche Schwester aus Nordost-Indien, die zur Zeit in Deutschland lebt.

Hier geht es zur Website der missionsärztlichen Schwestern in Deutschland und England.