Kolumne: Wenn Sie nach Steinfeld kommen, vergessen Sie den Apfel nicht!
„An apple a day keeps the doctor away.“ – Wer kennt nicht diesen Satz?
Äpfel gelten allgemein als gesund, gesundheitsfördernd und gesundheitserhaltend. Der Apfel ist wohl jene Frucht, von der der Mensch inzwischen so viele Varianten gezüchtet und gezogen hat, wie von keiner anderen Obstsorte.
Dieser Apfel hier erinnert uns in diesen Tagen, in denen wir im Prämonstratenserorden und auch besonders in der Eifel des Hl. Hermann-Josef von Steinfeld gedenken, an diesen besonderen Heiligen. An seinem Grab legen Gläubige Äpfel nieder, verbunden mit der Bitte um Heilung, Gesundheit und manch anderes mehr. Tatsächlich ist dieser Brauch noch nicht so besonders alt, zumindest soweit ich es weiß.
Im Jahr 1988 hat das Generalkapitel der Prämonstratenser im Kloster Steinfeld stattgefunden. Einer der Helfer beim Generalkapitel war unser Pater Ludger aus der Abtei Hamborn. Tag für Tag hat er einen Apfel auf das Grab des Hl. Hermann-Josef gelegt in Erinnerung an die Überlieferung aus der Lebensbeschreibung des Heiligen, der zu Folge er als kleiner Junge in der Kirche Maria im Kapitol in Köln der Gottesmutter Maria und dem Jesuskind einen Apfel gereicht haben soll und die beiden hätten den Apfel angenommen - so die wundersame Überlieferung.
Und so wie die Gottesmutter und das Jesuskind diesen Apfel entgegen genommen haben sollen, so erhoffen sich auch die Gläubigen, die ihre Äpfelchen am Grab des Hl. Hermann-Josef niederlegen, dass der Heilige mittels der Jungfrau Maria und des Gottessohnes am Throne Gottes in ihren Anliegen Fürsprache einlegen mögen. Tatsächlich war Hermann-Josef in seinem Leben der Gottesmutter Maria sehr verbunden. Er hieß eigentlich nur Hermann und bekam von seinen Mitbrüdern den Beinamen Josef fast scherzhaft vierliehen, da er die Gottesmutter so sehr verehrte.
Die christliche Ikonographie zeigt ihn auch in den Schilderungen der Lebensbeschreibung in einer mystischen Vermählung mit der Gottesmutter. Seine nun schon zweimal zitierte Lebensbeschreibung ähnelt sehr den Lebensbeschreibungen aus den mittelalterlichen Frauenbewegungen, in denen es mehr um mystische Erlebnisse und wundersame Ereignisse, um besondere und tiefe Frömmigkeit des geschilderten Menschen geht, als um eine chronologische Darstellung seines und ihren Lebens.
So war Hermann-Josef auch Zeit seines priesterlichen Lebens und Wirkens in den Frauenkonventen in der Umgebung von Steinfeld sehr angesehen, beliebt und gefragt als Beichtvater und als Exerzitienleiter. Er starb schließlich auch bei einem solchen geistlich priesterlichen Einsatz in einem Frauenkloster und der Abt von Steinfeld hatte größte Mühe seine sterblichen Überreste nach Steinfeld zurückzubekommen.
Noch heute rufen Frauengemeinschaften auch in einer ganzen Novene den Hl. Hermann-Josef, um Fürsprache in der Bitte um neue Berufungen und Nachwuchs an. Wer die Möglichkeit hat, sein Grab einmal zu besuchen: Es befindet sich als barockes Hochgrab im Kloster Steinfeld in der Eifel bei Kall. Dort wirkten jahrhundertelang Prämonstratenser bis zur Aufhebung. Inzwischen führen das klösterliche Leben seit über 100 Jahren Salvatorianer und Salvatorianerinnen weiter. Vor den Toren des alten Klosters ist der Konvent der Trappistinnen von Maria Frieden in die Gebäude des Benediktinerinnenklosters unlängst eingezogen. Rings um sein Grab hat sich also trotz aller Rückschläge und gewaltsamer Eingriffe von außen klösterliches und kirchliches Leben immer wieder neu entwickelt und angesiedelt und gleichzeitig weit über den Tellerrand hinaus geschaut. So ist die alte Abtei Steinfeld auch Mutterabtei von Kloster Strahov in Prag und Kloster Tepl in Böhmen, die beide noch heute existieren. Noch vieles könnte man dazu schreiben und sagen, für heute aber nur so viel: Wenn Sie nach Steinfeld kommen, vergessen Sie den Apfel nicht!