Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Weshalb das Jesuskind Strümpfe trägt

Unsere Ordensgemeinschaft feiert in diesem Jahr ihr 185 jähriges Gründungsjubiläum.
Wir leben nach der Spiritualität des hl. Vincenz von Paul, der wohl der größte Sozialreformer des
17. Jahrhunderts in Frankreich war. Vincenz von Paul versuchte Menschen in ganz unterschiedlichen Nöten zu helfen. Er sah die Not von Armen, Kranken, Bettlern, Galeerensklaven, Gefangenen und Findelkinder und sorgte für mannigfache Hilfe. Ein Ausspruch von ihm, der sein Lebenswerk in einem Satz zusammenfasst ist: „Liebe sei Tat“

In unserem Jubiläumsjahr finden verschiedene Veranstaltungen in unserem Mutterhaus statt. Unter anderem entstand unter diesem Leitwort „Liebe sei Tat“ ein neunzig Minuten langer Monolog, in dem eine fiktive Schwester unserer Gemeinschaft über ihr Leben und ihren Dienst nachsinnt. Im Einladungsflyer zu diesem Monolog ist zu lesen: „Wir schreiben das Jahr 1956. Schwester Apollonia hat sich in ihre Lieblingsecke in der Kirche des Mutterhauses zurückgezogen, um Ruhe zu finden. Erschöpft vom Alltag als Röntgenschwester im benachbarten St. Vincenz-Krankenhaus, begleitet sie neuerdings auch noch einen Mann, der im Sterben liegt. Und damit steht die notwendige Frage: „Was bleibt, wenn man geht?“ im Raum.

Abgelenkt, aber zugleich zum Erzählen inspiriert durch die Zuhörerinnen und Zuhörer, lässt sie ihren Blick und ihre Gedanken schweifen. Eben hier, in dieser Kirche, wurde sie vor fast fünfzig Jahren als Ordensschwester eingekleidet. Im Umfeld des Mutterhauses und des St. Vincenz-Krankenhauses hat sie vieles erleben dürfen und müssen. Sie lässt die Geschichten und Geschichte Revue passieren, erzählt von den Anfängen des Ordens, vom heiligen Vincenz und von der heiligen Louise, vom Start der Genossenschaft in Paderborn, vom Aufbau der zahlreichen Filialen, vom Dienst an den Kranken und vom Leid in den Kriegszeiten – mal lustvoll, mal ernst, mal anekdotenhaft, mal traurig und bitter, meist jedoch mit einem Zwinkern im Auge.“

In einer ihrer Anekdoten erzählt sie über den Besuch des fünfjährigen Enkelkindes ihres Bruders. Als sie mit dem Kind allein in der Pfortenhalle des Mutterhauses steht, bleibt das Kind lange schweigend und ehrfurchtsvoll vor der Muttergottesstatue stehen. Nach langem Schweigen zieht es schließlich die Großtante an ihrem Kleid und sagt. Das Jesuskind muss doch frieren. Und erst in diesem Moment fällt der Schwester auf, dass das Kind im Gegensatz zu seiner Mutter fast unbekleidet dargestellt ist. Die kleine Franziska, so der Name des Kindes, hat auch gleich eine Lösung parat. „Sollen wir ihm nicht warme Socken anziehen?“ Und so geschieht es. Für diesen „Unsinn“ muss sich die Schwester anschließend noch vor der Generaloberin rechtfertigen. Diese sagt ihr jedoch: „Schwester sie haben richtig gehandelt.“ Denn die Schwester hat der kleinen Franziska, die vermutlich noch nicht bedacht hat, dass Steinfiguren nicht frieren können, gezeigt, dass man immer handeln muss, wenn man Menschen in Not sieht. Wenn jemand hungert, dann muss man ihm zu essen geben, wenn jemand Durst hat, braucht er etwas zum Trinken, wenn jemand friert braucht er Wärme und Kleidung, wenn jemand seine Heimat verliert braucht er Menschen die ihn annehmen und eine neue Heimat geben…, ganz nach dem Motto: „Liebe sei Tat.“

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Über die Autorin

Sr. M. Katharina Mock ist Generaloberin der Vinzentinerinnen.

Hier geht es zur Website der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzen von Paul in Paderborn.