14.02.2017

Ein Besuch in Hanoi

  • P. Herrmann OFM besuchte seine Mitbrüder des Franziskanerordens während seiner Reise.

Pater Herrmann Schalück OFM war Generaloberer des Franziskanerordens und Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio in Aachen. Heute ist der 77-jährige im Ruhestand, doch er interessiert sich weiter für das Ordensleben auf der ganzen Welt. Zuletzt führte ihn eine Reise nach Vietnam. Er besuchte dort nicht nur seine eigenen Mitbrüder (siehe Foto), sondern auch vietnamesische Benediktiner. Auf orden.de schildert er seine Eindrücke von dem Treffen.

 

Vietnam – Oktober 2016

Über Hanoi liegt am Morgen ein düsterer Schleier. Die Luft ist arg verschmutzt.  Tausende Mopedfahrer und Autos suchen sich langsam ihren Weg. Wir sind auf dem Weg in die Provinz Hoa Binh,  westlich von der Bucht von Tonkin, etwa 2 ½ Stunden Fahrt. Die Gegend wird immer malerischer. Steile, zum Teil bewaldete Felsen begrenzen die gerade abgeernteten Reisefelder mit den friedlich  grasenden Wasserbüffeln. Wir wollen eine neue Gründung der Benediktiner besuchen. Sie liegt in der Einsamkeit, im sanften Hügelland, unweit einer alten Kirche, friedlich in der ruhigen Landschaft.

Bruder Thiêt, der Gründer und Regionalobere, strahlt und  lädt uns zu einer Tasse Tee ein.  Vor fünf Jahren ist er von Huê nach hier gekommen und hat dies Gelände gekauft. Das Kloster dort war voll – das Haus ist beim Maximum angelangt -  sechzig Brüder.  Er trägt, wie auch die anderen, einen kurzen hellgrauen Überhang mit Kapuze. Insgesamt sind es jetzt neun, fünf Benediktiner mit Profess und  vier Kandidaten. Alle sind jung und sind hier eingetreten. Sie gehören zur Kongregation von Subiaco. Ein wirklicher Neuanfang.

Wir gehen zur Kapelle. Sie ist klein, einfach und einladend. Eine asiatische Madonna lächelt uns an. Thiêt sagt, hier werde die benediktinische Gebetsform konsequent fortgesetzt. Jeden Tag ist Nachtchor (Nachgebet), von 11.30 bis 1 Uhr. Dann folgt ein kurzer Schlaf. Die Morgenliturgie mit der Eucharistie beginnt um 4.30. Freilich,  die einstündige Mittagsruhe ist eine notwendige und angenehme Pflicht, außerdem könne man  von 8 Uhr abends bis 11 Uhr der Ruhe pflegen.

Wir gehen nach draußen, in die „Plantage“.  Sie ist sehr groß. Alle Brüder und die Kandidaten arbeiten hier täglich. Angestellte gibt es nicht. Wir sehen Orangenbäume, Bananenstauden, die chinesische Grapefruit  ‚Pomelo‘,  Sternapfel,  Guaven und Papaya. Alles ist sorgfältig angelegt. Blumen und Bäume werden ohne Chemikalien gepflegt. Der größere Teil ihres Ertrages wird veräußert. Die Brüder leben von ihrer Hände Arbeit.

Dann stehen wir auf einer Anhöhe: Hier soll das neue Kloster entstehen. Wann? Wenn die Zahl der Mitglieder weiter gewachsen ist.  Thiêt rechnet mit vier bis fünf Eintritten pro Jahr, sorgfältig ausgewählt.  Die Zahl 50 will er nicht überschreiten. So wird das Kloster – „so Gott will“ – in etwa 8-10 Jahren auf der Anhöhe stehen.

Dann sind wir am Rand des Geländes.  Hier steht versteckt ein  sehr einfacher flacher Bau. Wir erfahren, dass viele junge Menschen aus Hanoi hierher zum Auftanken in die Stille kommen. Dies ist ein Gebets- und Schlafraum. Andere schlafen in Zelten oder unter freiem Himmel. Das Land steht unter dem unberechenbaren Zugriff der kommunistischen Behörden. Sie lassen die Benediktiner aber bisher in Ruhe.  Denn sie leben und arbeiten, das ist ihre Überzeugung, „zum Wohl des Volkes“.

Das Mittagessen ist festlich und einfach zugleich. Ein junger Mann wird uns vorgestellt. Er ist 1993 in Vietnam geboren und wurde von amerikanischen Eltern  adoptiert. Er spricht kein Wort Vietnamesisch, erteilt aber der Kommunität während dreier Monate Unterricht in Englisch.  Außerdem studiert er den Bioanbau der Brüder. Im Dezember geht er zum „Peace Corps“  nach Togo. Dann kosten wir „Bun Cha“, ein traditionelles  vietnamesiches Gericht. Mit gegrilltem Schweinefleisch und einer Art Frikadelle, eingelegt in Sauce. Dazu  ein Berg Reisnudeln und ein Teller mit saftig grünem Gemüse.  Es herrscht eine fröhliche Stimmung.  Thiêt erzählt noch, dass er täglich draußen bei der Arbeit singt. Als Abschluss stimmt er einen Vers aus Taizé an: „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“.  Den singen alle mit.

Auf einer neuen Schnellstrasse geht es zurück nach Hanoi.  Die Wasserbüffel grüßen von Ferne. Dann, in der Stadt, umkurven wir das Mausoleum des Nationalhelden Ho-Chi-Minh und fahren langsam in dem Verkehrsgewühl nach Hause.

Es liegen Erwartung und Spannung über dem Land.  Vietnam im Oktober 2016.