12.09.2017

Sommerreihe: Spirituelle Auszeiten im Ausland - Chartreuse de Sélignac

  • Bild: Blick auf das Ensemble der Chartreuse de Séliganc - Author: marsupilami51 CC BY 3.0 - WikimediaCommons

Der Sommer ist die Zeit für Reisen schlechthin. Doch nicht nur ferne Strände, türkisblaues Meer und tropische Hitze laden zum Auftanken ein, viele Ordensgemeinschaften bieten kleine Auszeiten an interessanten Orten an. Der Abschluss unserer Sommerreihe führt uns in die französische Provinz Auvergne-Rhône-Alpes.

„Einfach mal komplett abschalten“, ist der Wunsch vieler Urlauber in der Sommerzeit: Den Alltag und das gewohnte Umfeld hinter sich lassen und nicht mehr erreichbar sein für strapazierende Telefonate, drängende E-Mails oder dringende Treffen. Es gibt nur wenige Orte, an denen sich das so konsequent umsetzen lässt, wie in der Nähe des Örtchens Simandre-sur-Suran im Osten Frankreichs.

Inmitten von grünen Bergen, dichten Wäldern und saftigen Wiesen liegt das ehemalige Kloster „Chartreuse de Sélignac“ – abgeschieden von jeglicher Zivilisation und ganz nach dem Ideal der Kartäuser, die ihre Niederlassung dort im Jahr 2001 verlassen haben. Und doch hat die Spiritualität der kontemplativen Ordensgemeinschaft das Kloster nicht ganz verlassen. Im Auftrag des Kartäuserordens bietet ein Ehepaar seit einigen Jahren einen Aufenthalt als „Kartäuser“ auf Zeit an.

Gläubige, Sinnsucher und Touristen können inmitten der malerischen Landschaft im wahrsten Sinn des Wortes „abschalten“. Der Aufenthalt von zwischen zehn und zwanzig Tagen entzieht die Besucher jeglicher moderner Kommunikation: Festnetztelefon, Handyempfang oder Internet gibt es in den spartanischen Zimmern der Kartause nicht. Lediglich ein Bett, ein Schreibtisch, ein Stuhl und eine Gebetsecke enthält die Klosterzelle, in der die Urlauber als „Kartäuser auf Zeit“ leben. Und auch sonst ist der Tagesablauf ehr kontemplativ gestaltet: Neben vier regelmäßigen Gebetszeiten stehen körperliche Arbeit – Holzhacken erfreut sich großer Beliebtheit - und selbstständige Meditation auf dem Tagesplan. Jeweils einmal in der Woche werden ein Spaziergang von drei bis vier Stunden und der Besuch der Eucharistiefeier empfohlen.

Durch diese Einfachheit und die kontemplative Ausrichtung des Aufenthalts ist der Besucher der Kartause ganz auf sich, die Betrachtung seines Lebens und auf seine Beziehung zu Gott zurückgeworfen. Es geht nicht nur darum, Ruhe zu finden, sondern gleichzeitig gilt es auch, sie anzunehmen und auszuhalten. Die Isolation von den Ablenkungen, die der Alltag sonst so vielfältig bietet, ist für manche Gäste aufreibender als manche turbulente Arbeitswoche.

Nicht umsonst werden auch Anwärter für die Aufnahme in den Kartäuserorden eingeladen, sich in der „Chartreuse de Sélignac“ zu testen. Sie können hier erleben, wie sich das radikal-kontemplative Ordensleben anfühlt und ihre Berufung in der Stille vor Gott prüfen.

Begleitet werden die Besucher von einem Ehepaar und einigen Helfern, die die praktischen Belange des Alltags organisieren und die Liturgie anleiten. Auf ihrer Internetseite kann man sich (auf Französisch) über den Aufenthalt informieren und einen Besuch der Kartause planen.

(Gerald Mayer)