06.07.2018

Ottmaringer Tage für Ordenschristen: Ordensleute sollen sich auf Augenhöhe begegnen

Ordensleute sollten die Frage von Autorität und Gehorsam auf den Prüfstand stellen - das fordert der Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, Kardinal Joao Braz de Aviz. Er äußerte sich im Rahmen der "Ottmaringer Tage für Ordenschristen" im deutschen Zentrum der Fokolare-Bewegung in Ottmaring bei Augsburg. "Heute wird keine Autorität mehr angenommen, die sich von oben gegenüber Untergebenen durchsetzen will. Autorität muss anziehend sein, wir müssen uns auf Augenhöhe, als Brüder und Schwestern begegnen", sagte der Kardinal laut Mitteilung der Fokolare vom 6, Juli. Das fünftägige Treffen in Ottmaring mit rund 100 Teilnehmern widmete sich seit Montag, 2. Juli, Themen rund um die Zukunft des klösterlichen Lebens.

Braz de Aviz sprach den Angaben zufolge auch die Beziehung zwischen Männern und Frauen unter Ordenschristen an: "Wir kennen die jeweils andere Seite zu wenig. Wir müssen mehr miteinander teilen, um zu verstehen, wie wir in der Liebe wachsen können, einander helfen und unterstützen können auch in schwierigen Situationen." Ferner warb der Kardinal dafür, den Kontakt mit Jugendlichen zu suchen: "Es geht darum, das Evangelium mit dem eigenen Leben zu beschreiben, und Jugendliche brauchen deutliche Signale, müssen sehen, wofür es sich lohnt, das Leben einzusetzen."

Außerdem erklärte der Präfekt, er sehe, wie sehr man unter den deutschsprachigen Ordenschristen nach neuen Wegen suche. "Und diese Begegnung der verschiedenen Orden auch mit den Bewegungen und geistlichen Gemeinschaften ist ein wichtiges Signal. Wir müssen vom vielen Reden zum intensiven Zuhören kommen. Und vielleicht weniger selbst machen, sondern mehr Gott arbeiten lassen", so Braz de Aviz.
Der Kardinal hatte in einem Schreiben mit dem Titel "Für jungen Wein - neue Schläuche" angeregt, bisherige Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und neue Wege zu gehen. Die neuen Leitlinien seiner Kongregation waren im Januar 2017 veröffentlicht worden.

Veranstaltet wurde die Tagung von der Arbeitsgruppe "Miteinander der Orden" der Fokolar-Bewegung, unterstützt von der Deutschen Ordensobernkonferenz und den Dachverbänden der Orden in Österreich. Die Teilnehmer stammten aus rund 60 verschiedenen Gemeinschaften aus dem deutschsprachigen Raum. (Mit Material von KNA).