30.10.2018

#synodenblog: Es ist angerichtet! - von P. Johannes Kaufmann SDB

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„Es ist angerichtet“ so möchte ich meinen letzten Blogbeitrag, mit dem ich mich bei den Lesern und bei orden.de sehr herzlich bedanken möchte, überschreiben. „Es ist angerichtet“ – diese Worte klingen vielversprechend, wenn man in einem leckeren italienischen Restaurant sitzt und die Köstlichkeiten der italienischen Küche erwarten darf. „Es ist angerichtet“ lässt einem beim Auftragen der Antipasti freudig schon den Speichel im Mund zusammenlaufen.

Am Wochenende ist in Rom die Jugendsynode zu Ende gegangen. Für die Bedeutung und den Erfolg dieser Synode, die unter vielen Gesichtspunkten einzigartig war und ist, kommt es gerade darauf an, dass wir als Kirche, wir als verantwortliche in Diözesen, Ordensgemeinschaften, Pfarreien und geistliche Gruppen und Gemeinschaften, bereit sind und Appetit bekommen haben, dieses vielfältige Mahl auch zu essen.

Die großen Herausforderungen sehe ich gerade darin, das Schlussdokument nicht abzuheften, sondern es zur Grundlage unseres Nachdenkens und Handelns zu machen. Sind wir bereit, auch in unsere Alltagsplanungen und Arbeitsagenden die drei Minuten Pause der Synode einzubauen, um hinzuhören, was da eigentlich in unserer Welt geschieht? Sind wir bereit, aus unserem Aktivismus neu in eine Kultur der Meditatio einzutreten? Sind wir fähig, die „Unione con Dio“ (das Einssein mit Gott) als Einheit zwischen Kontemplation und Aktion zu leben?

Die Einladung, als Kirche bewusst eine neue Haltung des „Hörens“ einzunehmen, ist meines Erachtens das wichtigste Resultat, das diese Synode in großer Klarheit ans Licht gebracht hat. Hier sehen wir den Jesus, der auf dem Weg nach Emmaus als erstes die Hoffnungen und Ängsten, die Enttäuschungen und Träume der zwei Jünger anhört.  Im Bild von dem italienischen Essen: Dies ist die Pasta, die grundlegende Speise, die sättigt und die hoffentlich bei den Nach-Gott-Hungernden ankommt. Gehört zu werden ist das, was junge Menschen brauchen. Gehört zu werden ist  die Erfahrung, die diese Synode besonders gemacht hat. Sowohl die „alten“ Bischöfe, Kardinäle, Experten fühlten sich gehört, als auch gerade die jungen Menschen, die mir ihren Fragen endlich Raum fanden. Diese Erfahrung wurde sogar als zutiefst pfingstliche Erfahrung bezeichnet. Diese Erfahrung soll Schule machen. Hoffentlich gelingt es dem Duft dieser Speise, uns alle anzuregen, auch an unseren Orten diese „Pasta“ des Hörens nachzukochen. Damit auch wir Mahl halten mit jungen Menschen, mit den Ausgegrenzten, mit den Suchenden, mit den von Gott geliebten.

Diese synodale Kirche, diese sich auf Augenhöhe versammelnde Gemeinschaft hat es geschafft, wichtigen und umstrittenen Themen unserer Zeit wertschätzend und gleichberechtigt Raum zu geben: Themen wie der Würde und Rolle der Frau in der Kirche, der Frage nach der Bedeutung der Sexualität, nach dem Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche, nach dem „gemeinsamen Haus“ unserer Erde, nach den Herausforderungen durch die digitale Welt, nach Migration, nach Gerechtigkeit und Zukunftschancen. Sie hat es zum Glück – wie ich meine – nicht geschafft, allgemeingültige Antworten zu geben. Im Angesicht der Vielfalt und Diversität unserer Welt, der Unterschiedlichkeit und Ungleichzeitigkeit der Herausforderung, braucht es die Pluralität der Antworten, die „Katholizität“ (alle betreffend - umfassend) der Kirche. Einfach auszuhalten ist dies nicht. Ich hätte mir für unsere deutsche Wirklichkeit teilweise mehr gewünscht. Jedoch braucht es wohl für viele Fragen mehr „Garzeit“ als die dreieinhalb Wochen dieser Synode. Die Themen sind auf dem Tisch und werden hoffentlich bald einen guten zweiten Gang ergeben.

Die Konkretheit der Ergebnisse lässt zu wünschen übrig. Hier bietet das Dokument Anregungen aber keine Festlegungen. Hier finden wir Apelle, aber noch keine Durchführungsbestimmungen. Dies war vermutlich zu erwarten und darf als erster, grundlegender und wichtiger Schritt gewertet werden. Das Warten macht meist keine große Freude. Dies gilt besonders für junge Menschen, die (zum Glück) wenig Geduld haben und anpacken wollen. Warten wir mit ihnen auf das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus, warten wir auf die konkreten Schritte vor Ort. Diese müssen kommen, sonst verschwindet der Geruch dieses köstlichen Mahles zu schnell. Hier sind die Bischöfe und jeder einzelne von uns herausgefordert. Wir alle sind eingeladen zu handeln!

Hörend und konkret bei und mit den (jungen) Menschen als Zeugen Christi zu leben, ist das, was Papst Franziskus uns beim Abschlussgottesdienst der Synode in der Predigt zusammengefasst  mit auf den Weg gibt. Dies tut Jesus in der Emmausgeschichte. „Es ist angerichtet“ -  jedoch noch „ist es nicht vollbracht“. Essen und stärken wir uns,

- damit unsere konkreten Schritte in Richtung Strukturen des Hinhörens, des Beteiligens,
- damit unsere Wege hin zu den Menschen am Rande,
- damit unser erneutes Vertrauen in Gott, der durch und für alle jungen Menschen handelt

einen wunderbaren Postre (Nachtisch) für dieses Mahl bilden.

Buon appetito!

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Blogbeiträge sind Meinungsbeiträge des jeweiligen Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Auffassung der Deutschen Ordensobernkonferenz wieder.