18.07.2019

Jerusalem: Krankenpflege überwindet religiöse Grenzen

Mitten in einem Jahrzehnte andauernden Konflikt schafft ein von einer deutschen Ordensfrau geleitetes Krankenhaus Verständigung zwischen den Religionen

Anfang dieser Woche ist die aus Deutschland stammende Ordensfrau Sr. Monika Düllmann zur Generaloberin der Schwestern des Hl. Josef von der Erscheinung gewählt worden.

Sie wird damit voraussichtlich eine Aufgabe abgeben, für die sie in den vergangenen Jahren vielfach geehrt worden ist: Seit über 15 Jahren leitet Sr. Monika das „St. Louis French Hospital“ in Jerusalem.

Das „French Hospital“ gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die aus Frankreich kommende Gemeinschaft der Schwestern des Hl. Josef der Erscheinung begann schon damals dort ihre Tätigkeit. Das Besondere am French Hospital: Ohne Unterscheidung werden hier nicht nur Palästinenser und Israelis gemeinsam behandelt, sondern auch Juden, Christen und Muslime – vor allem ältere Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Sowohl jüdische als auch muslimische Speisevorschriften werden hier eingehalten, auch wenn das Haus grundsätzlich eine christliche Ausrichtung hat. Mittlerweile ist es nur noch dem Namen nach ein Krankenhaus – praktisch eher zum Hospiz geworden.

„Wir versuchen, jedem seine letzte Lebensphase so zu ermöglichen, wie er gelebt hat“, sagte Sr. Monika 2018 in einem Interview. „Als Krankenhaus haben wir den Vorteil, dass wir weder politisch noch religiös aktiv werden müssen. […] Der zweite Vorteil ist, dass sich Leute hier in einer Notsituation kennenlernen, die sie verbindet. Der Rest tritt völlig in den Hintergrund.“

Das French Hospital ist also in einer Stadt und einem Land, das von Konflikten zwischen den abrahamitischen Religionen gezeichnet ist, ein Beispiel für einen Umgang miteinander und mit Menschen in Not, der nicht in erster Linie auf das Trennende schaut, sondern sich auf gemeinsame Prinzipien aus den verschiedenen Religionen stützt: Leben schützen, Leiden vermindern, Menschen in Not helfen. Zudem zeigt es, dass Ordensleben und Engagement im interreligiösen Dialog sich keineswegs widersprechen, sondern unglaublich bereichernd füreinander sein können.

(Quelle: dvhl.de/KNA)