09.09.2019

Seligsprechung des Pallottiners P. Richard Henkes

  • © Bistum Limburg

Am Sonntag, dem 15. September 2019 wird der Pallottiner P. Richard Henkes durch Kurt Kardinal Koch aus Rom im Limburger Dom seliggesprochen. Dies hatte Papst Franziskus bereits im Dezember vergangenen Jahres in Rom bekannt gegeben.

P. Henkes wurde am 26. Mai 1900 im Westerwald geboren. Nach dem Abitur trat er 1919 in das Noviziat der Pallottiner in Limburg ein und war nach seiner Priesterweihe 1925 als Lehrer, Wallfahrtsprediger und Exerzitienleiter tätig. P. Henkes geriet in Konflikte mit dem Nazi-Regime, da er immer wieder das christliche Menschenbild im Gegensatz zu dem des Nationalsozialismus betonte; 1941 wurde er daher aus dem Schuldienst entlassen und als Pfarrer in Strandorf im Hultschiner Ländchen eingesetzt. Nach einer Predigt gegen den Abtransport von Kranken aus den dortigen Heilanstalten wurde er 1943 verhaftet und ins Konzentrationslager nach Dachau gebracht, wo er sich um Häftliche aus Tschechien kümmerte. In der Typhusepidemie 1944/1945 pflegte er die Kranken und ließ sich freiwillig in einem Quarantäneblock einschließen. Er infizierte sich und starb am 22. Februar 1945.

„Mit dem Bistum Limburg, in dem wir seit 125 Jahren tätig sind, freuen wir uns, dass die Diözese nach der Heiligen Katharina Kasper nun mit Pater Henkes auch einen neuen Seligen verehren kann“, erklärte Pater Helmut Scharler SAC, Provinzial der Pallottiner. Die Kirche würdige mit der Seligsprechung einen Priester, der mit allen Konsequenzen der Nazi-Diktatur Widerstand geleistet habe. In Schule, Seelsorge und Predigt habe er mutig das christliche Menschenbild vertreten und damit für Freiheit und Wahrhaftigkeit gekämpft. Er habe in den Spannungen zwischen Deutschen und Tschechen für Versöhnung gewirkt. „Dass er sich, das nahe Ende des Krieges und die Ansteckungsgefahr vor Augen, freiwillig mit den Kranken in Quarantäne begab, war für ihn konsequente Christus-Nachfolge. Diese Treue zu seiner Berufung zum Pallottiner und Priester hinterfragt uns Heutige. Darum ist die Seligsprechung von Pater Henkes nicht allein ein Akt, der dankbar in die Vergangenheit blickt, sondern eine Herausforderung für unsere Berufung und Sendung in der Kirche heute. Denn in jeder Generation sind Freiheit und Wahrhaftigkeit gefährdet“, so Scharler.

 „Die Seligsprechung von Pater Henkes soll ein Fest für die Pallottiner, für das Bistum, für die Heimat des neuen Seligen, Ruppach-Goldhausen im Westerwald, und für die tschechischen Gäste werden“, so Bischof Dr. Georg Bätzing. Für ihn ist Henkes, der wegen regimekritischen Predigten verhaftet wurde und sich freiwillig im Block 17 im Konzentrationslager Dachau einschließen ließ, um sich um typhuskranke Menschen zu kümmern, ein Märtyrer der Menschlichkeit. Er habe sich der Bevormundung des Denkens und Glaubens in der Zeit des Nationalsozialismus mutig entgegengestellt. Und er habe sein Leben für andere Menschen eingesetzt, nationale Barrieren und Vorurteile überwunden und Verständigung geschaffen.

Schon 1947 kam der Ruf nach einer Seligsprechung von P. Henkes bei den Pallottinern auf. Dieser wird durch den Einsatz ehemaliger Priester-Häftlinge von Dachau lauter. In den 1980er Jahren baten sie Bischof Kamphaus um die Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens, im Jahr 2000 machte sich auch die tschechische Bischofskonferenz in einem Schreiben für das Anliegen stark. Im Jahr 2001 beantragte das Provinzkapitel der Pallottiner die Seligsprechung. Am 25. April 2003 eröffnete Bischof Kamphaus in Limburg das Bischöfliche Erhebungsverfahren. Fünf Jahre später war dieses Erhebungsverfahren abgeschlossen und die Akten wurden nach Rom gesandt. Nach der Prüfung durch die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung wurde am 11. Dezember 2018 entschieden, dem Papst die Seligsprechung von Pater Richard Henkes zu empfehlen. Dieser Empfehlung war der Heilige Vater am 22.Dezember 2018 mit der Bekanntmachung gefolgt.

Quelle: Bistum Limburg