04.02.2020

Erste Vollversammlung des Synodalen Weges - Wahrnehmungen aus der Ordensperspektive

  • Erste Vollversammlung des Synodalen Weges - Wahrnehmungen aus der Ordensperspektive

  

An der ersten Vollversammlung des Synodalen Weges vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 haben alle zehn von der DOK delegierten Ordensleute teilgenommen - Jüngere, Ältere, Frauen und Männer mit verschiedenen Aufgaben, aus kleinen und großen Gemeinschaften verschiedener Spiritualitäten. Mindestens fünf weitere Synodalen sind Ordensleute. Einige der DOK-Delegierten haben ihre Eindrücke geschildert:

Frater Simon Hacker OP

"Mit großen Befürchtungen bin ich nach Frankfurt gefahren, mit etwas mehr Hoffnungen kehre ich zurück. Ich habe in diesen Tagen viel Leidenschaft erlebt für den Glauben an Gott, für seine Kirche. Und ich habe (mal wieder) erfahren, wie sehr Menschen an der Kirche leiden. Diese Differenz aus Leidenschaft und Leiden hat ganz offenbar eine Entschlossenheit hervorgebracht, Missstände anzupacken und aus dem Weg zu räumen, damit der Weg zu Gott und den Menschen wieder frei werde. Es ist eine Entschlossenheit aus der Einsicht, dass sich Dinge ändern müssen, weil es schlichtweg nicht mehr so weiter gehen kann. Es geht nicht mehr. Viele können einfach nicht mehr.

Die intensivsten Momente waren für mich die Meldungen der Kirchenglieder, die zumeist nicht im Mittelpunkt stehen, die meistens eben nicht sprechen (dürfen): die Frauen, die Ordensschwestern, die in ihrer sexuellen Identität und Orientierung marginalisierten, die Jungen. Hier bin ich auch etwas 'stolz' auf die Ordensleute: Die 'Anders-Kirche' hat sich hier und da beeindruckend zu Wort gemeldet, um der 'Normalo-Kirche' in ihrer Krise mit der prophetischen Andersheit der Orden beizustehen.

Intensiv war für mich die ganze Veranstaltung. Die (An-)Spannung war geradezu greifbar. Immer, wenn irgendetwas Irritierendes kam (egal von welcher Seite, egal was), war sie sofort wieder an der Oberfläche. Es wird eine große Herausforderung, in dieser Situation frei, offen, respektvoll und produktiv miteinander sprechen zu können."

Sr. Nicola Maria Schmitt, Vinzentinerin

"Mein Eindruck war, dass nach anfänglichen Vorbehalten in der ganzen Versammlung doch eine höchstmögliche Offenheit bestanden hat, die ein solch großes Gremium zulässt. Die Möglichkeit das Wort in der Versammlung zu ergreifen, haben sehr viele und auch unsere Gruppe gut nutzen können. Mich hat gefreut, wie sich die jungen Erwachsenen so engagiert eingesetzt haben und mit ihren Anträgen auch zu einer klärenden Geschäftsordnung verholfen haben, die es uns in den nächsten Sitzungen ermöglicht, strukturiert die Themen zu bearbeiten. Es ist gut, dass jedes Forum mit Menschen besetzt ist, die das breite Meinungsspektrum unserer Kirche abbilden. Die Diskussionen in den Foren werden dadurch sicher nicht immer einfach sein. Gottes Heiliger Geist möge aber das Ringen segnen und zu guten, wirksamen Ergebnissen führen."

P. Bruno Robeck OCist

"Besonders beeindruckt hat mich, dass alle, die gesprochen haben bzw. mit denen ich gesprochen habe, mit Herzblut dabei waren, wenn es sich auch aus unterschiedlichen Quellen speist. Geschmerzt hat mich vor allem die Erkenntnis, dass dieser Prozess so spät beginnt: Wenn all die jetzt benannten Themen schon viel früher angesprochen worden wären, wären uns viele große Fehler erspart geblieben und wir hätten viel Leid verhindern können. Jetzt haben wir zwar nicht mehr die Möglichkeit, Vergangenes rückgängig zu machen, aber wir können den Weg für eine gute Zukunft zu bereiten. Es kommt jetzt darauf an, wie es in den Foren weitergeht, welche Beschlüsse gefasst werden und ob diese dann auch durchgesetzt werden können. Dafür setzte ich mich ein."

Sr. Maria Stadler MC

"Mich hat beeindruckt, wie sehr es gelungen ist, sich wirklich 'auf Augenhöhe' zu begegnen. Die Versammlung war auch geprägt vom gegenseitigen Respekt. Die Ehrlichkeit und Offenheit der Gespräche und Redebeiträge geben Mut für die Zukunft. Ich bin sehr hoffnungsvoll und überzeugt, dass dieser Weg wirklich ein Weg hin in eine geschwisterliche Kirche wird. Es wird noch viel diskutiert und auch gestritten werden, aber diese Tage geben viel Kraft und Freude.

Was mich schon erschüttert hat, sind die teils äußerst polemischen Äußerungen und Haltungen von Gegnern und Gegnerinnen des Synodalen Weges."

Sr. Philippa Rath OSB

"Zwei Dinge, die mir wichtig wären: Zum einen, dass es (für mich) einfach großartig war, Kirche einmal ganz anders zu erleben. Dahinter wird man/frau kaum mehr zurückgehen können. Insofern haben die zwei Tage schon viel verändert. Der zweite Gedanke: Mir ist vielfach rückgespiegelt worden, wie sehr viele Synodale auf den Input der Orden warten und hoffen. Ich denke, dass das eine große Chance und Herausforderung ist, der wir uns stellen müssen."

Ein ermutigender Anfang, findet auch DOK-Vorsitzende Sr. Dr. Katharina Kluitmann: "Es wird noch viel diskutiert und gestritten werden, aber wir hoffen, dass dieser Weg zu einer geschwisterlichen Kirche führt. Diese Tage haben Kraft gekostet und gegeben, Kraft, die wir brauchen werden, nicht zuletzt, weil manche polemischen Äußerungen und Methoden von Gegnerinnen und Gegnern des Synodalen Weges erschütternd waren." Bis zur zweiten Sitzung im September folgen die Foren. Folgende Ordensfrauen und -männer sind darin vertreten:

  • Forum "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche - Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag": Sr. Maria Stadler MC
  • Forum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche": Sr. Philippa Rath OSB und über die Synodalen hinaus Sr. Dr. Katharina Ganz OSF, Prof. Sr. Dr. Margareta Gruber OSF sowie Sr. Scholastika Jurt OP.
  • Forum "Priesterliche Existenz heute": Fr. Simon Hacker OP, Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF und als nicht Synodalen Sr. Marie-Bernadette Steinmetz RSM und P. Stephan Kessler SJ.

Die vollständigen Mitgliederlisten der Synodalforen und weitere Informationen finden sich unter synodalerweg.de.