15.04.2020

Corona-Pandemie: Ordensleute sind da, wo andere jetzt nicht hinkommen können

Die Corona-Pandemie stellt Ordensgemeinschaften im weltweiten Einsatz vor ganz gewaltige Herausforderungen

Die Corona-Pandemie sorgt in unseren Breitengraden für verschiedene schwere Belastungen: kein Kontakt zu anderen, kein öffentliches Leben, Arbeit von zu Hause aus. Aber wir in Deutschland haben ein vergleichsweise  gut funktionierendes Gesundheitssystem und können Maßnahmen treffen, um uns zu schützen.Andere Länder haben diese Infrastrukturen oft nicht. Auf der ganzen Welt arbeiten Ordensleute im missionarischen Einsatz in ihren Einrichtungen und in zahlreichen Projekten – im Moment unter erschwerten Bedingungen.

Foto: Missionszentrale der Franziskaner
Foto: Missionszentrale der Franziskaner

In der aktuellen Situation sind Ordensgemeinschaften weltweit in besonderer Weise gefordert: Ihre Arbeit vor Ort ist im Moment vor erhebliche Herausforderungen gestellt, weil ihre Klöster und Einrichtungen oft erste oder einzige Anlaufstellen für arme Menschen in deren Nähe sind.

„Viele Ordensgemeinschaften leben und arbeiten auch in Stadtvierteln und Gegenden, wo andere Hilfswerke aufgrund von Einschränkungen derzeit nicht hinkommen oder bleiben können. Sie haben tragfähige Netzwerke und können so den Ärmsten der Armen weiterhin zur Seite stehen“, betont P. Josef Grünner. Der Salesianer Don Boscos ist der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Missionsprokuren (AGMP) in der Deutschen Ordensobernkonferenz. Die Missionsprokuren der Ordensgemeinschaften leisten viele Hilfen von Deutschland aus für Hilfsprojekte weltweit. „Ordensgemeinschaften sehen sich jetzt in dieser Krisensituation besonders in der Pflicht und sind angesichts der wachsenden Not in vielen Ländern besonders gefragt“, so P. Grünner. Denn wo manchen internationalen Organisationen nichts Anderes übrig blieb, als ihre Helfer vor Ort abzuziehen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Heimatländer zurückzuholen, können die Ordensgemeinschaften durch ihre Einrichtungen und mit ihren Mitgliedern vor Ort ihr Engagement fortsetzen, wenn auch oft unter schwierigen Bedingungen. P. Grünner: „Die Orden gewährleisten über ihre Missionsprokuren, dass Spenden für die Nothilfe auf kurzem Weg dort ankommen, wo sie jetzt dringend benötigt werden.“

Ein Beispiel dafür sind Don Bosco-Einrichtungen in Indien: Im ganzen Land sind Arbeitsmigranten, Tagelöhner und Straßenkinder durch die Corona-Pandemie besonders betroffen. Die staatliche Ausgangssperre zwingt Millionen von Tagelöhnern zu Hause zu bleiben. Die Folge: Sie haben kein Geld mehr für Nahrungsmittel und ihre Familien müssen hungern. Einrichtungen der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern in ganz Indien haben erste Hilfsmaßnahmen gestartet, um den Ärmsten der Armen zu helfen: Lebensmittel und Hilfspakete werden an bedürftige Familien in ihren Gemeinden verteilt. Zudem werden Aufklärungs-und Präventionsmaßnahmen durchgeführt sowie Hygieneartikel und Schutzmasken verteilt.

Die Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel berichten aus Leme in Brasilien, dass von den Schulschließungen besonders die Kinder der Familien am Stadtrand betroffen seien. Die Familien haben keine Arbeit, die Kinder keine Schulspeisung. Auch die Sozialzentren der Schwestern sind geschlossen. So wird das tägliche Brot derzeit zu einer großen Not. Die Schwestern helfen aus Spenden in den Armenvierteln der Stadt mit Essenskörben. Auch in Rumänien bringen Mitarbeiterinnen des Sozialen Zentrums, wo sonst Kinder zu Mittag essen, Lebensmittel zu Familien. Sehr schwierig ist die Situation in Peru, berichten die Franziskusschwestern Vierzehnheiligen. Das Ausgehverbot betrifft auch die Schwestern und verhindert, dass sie sich um die Menschen kümmern könnten, um die sie sich sonst kümmern. Per Post und Internet nutzen sie Möglichkeiten für Unterricht.

Eines der vielen Projekte der Jesuiten-Mission gibt es in Sambia: Obwohl dort bis kurz vor Ostern nur knapp 40 Corona-Fälle offiziell bestätigt waren, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher. In den Wohngebieten der Hauptstadt Lusaka leben die Menschen dicht zusammen. Trotz allem versuchen die Jesuiten, mit ihrer täglichen Arbeit weiter zu machen, arbeiten etwa weiterhin an einem Farm-Projekt vor Ort und versuchen dafür zu sorgen, dass die ärmsten Kinder trotz der Schulschließungen weiterhin etwas zu essen bekommen.

Auch die Steyler Missionare sehen die Entwicklungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern kritisch und versuchen, von Deutschland aus die Arbeit ihrer Mitbrüder vor Ort zu unterstützen. „Die Pandemie mit Händewaschen und ‚social distancing‘ durchzuhalten ist da unmöglich, wo viele Menschen zu Hause kein fließendes Wasser haben, dicht gedrängt auf engem Raum leben, wo es an medizinischer Ausrüstung und Medikamenten mangelt“, betonte der Missionssekretär P. Joseph Xavier Alangaram SVD bereits Ende März in einer Videobotschaft der Gemeinschaft. Auch in Afrika könne sich das Virus so beinahe unbegrenzt über den Kontinent ausbreiten. Um die Menschen zu unterstützen hat die Gemeinschaft Nothilfefonds eingerichtet.

Als franziskanisches Hilfswerk unterstützt die Missionszentrale der Franziskaner e.V. (MZF) international viele soziale Projekte in den ärmsten Ländern unserer Erde und baut dabei auf das weltweite Netzwerk der Franziskanerschwestern und -brüder, die vor Ort den notleidenden Menschen helfen. Seit Ausbreitung der Corona-Pandemie erreichen die Missionszentrale täglich neue Hilfsanfragen aus aller Welt. Erste konkrete Nothilfeprojekte in mehreren Ländern Afrikas und in Lateinamerika sind angelaufen. Auf einer neu eingerichteten Website informiert die Missionszentrale über die Corona-Situation in vielen Ländern und über aktuelle Hilfsprojekte.

Grenzen gesetzt hat die Corona-Pandemie den Ordensgemeinschaften wie anderen Organisationen im Bereich der Freiwilligendienste: Viele Gemeinschaften senden freiwillige Jugendliche und junge Erwachsene als „Missionare/innen auf Zeit aus“. Diese Freiwilligen arbeiten normalerweise ebenfalls auf der ganzen Welt in verschiedenen Ordensprojekten mit und mussten nun in ihre Heimatländer zurückkehren. Zehn von ihnen, die in Projekten der Schwestern von der heiligen Maria Magdalena Postel in Brasilien, Bolivien und Mosambik gearbeitet haben, sind nun wieder in Deutschland. Auch die Freiwilligen der Steyler Missionsschwestern, mussten ihre Einsätze kurzfristig abbrechen. Auch sie sind mittlerweile wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt.