Ordensgemeinschaften in Deutschland

Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament in Osnabrück

Sommerartikelreihe: Spiritualität, Werke und Ausstrahlung kleiner Gemeinschaften

“Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” (Mt. 18,20). Nicht selten zählen selbständige Klöster oder Ordensniederlassungen nur wenige Mitglieder – manchmal sind es tatsächlich eher „zwei oder drei“ als mehrere Dutzend. Aber genau diese Verheißung Christi, in ihrer Mitte gegenwärtig zu sein, lässt viele kleine Gemeinschaften auf besondere Weise ausstrahlen.

Dabei sind sie so vielfältig wie die Kirche selbst. Sie prägen eine bunte Landschaft aus Spiritualitäten, Charismen, Werken und Missionen. Während einige ihren Schwerpunkt auf Bildung und die Vertiefung des Glaubenswissens legen, widmen sich andere der praktischen Unterstützung von Familien oder vielfältigen Formen geistlicher Begleitung. In unserer Sommerreihe möchten wir einige dieser kleinen Gemeinschaften in Deutschland vorstellen. Dabei richten wir den Blick auf das oft stille und unscheinbare, zugleich aber wirkungsvolle Wirken Gottes durch Menschen, die sich in seinen Dienst stellen. Sie bauen am Reich Gottes auf Erden mit.

Die in diesem Beitrag präsentierte Gemeinschaft zieht ihre Kraft aus dem Allerheiligsten und strahlt eine Stabilität aus, die in der hektischen Welt von heute viele Menschen anzieht. Sind die täglichen Aufgaben und Regeln benediktinischen Lebens vielleicht wieder modern? Gerade bei jüngeren Generationen wächst die Neugier.

Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament

Die Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament sind eine kontemplativ-monastische Gemeinschaft mit über 160 Jahren Geschichte in der Osnabrücker Innenstadt. Sie leben nach der Regel des heiligen Benedikt und bilden ein geistliches Zentrum mitten in der Stadt. Ihr Leben beruht nicht nur auf dem benediktinischen Dreiklang ora et labora und lectio divina, sondern wird durch die adoratio als vierte Säule ergänzt.

Heute zählt die Gemeinschaft zwölf Schwestern.

Das Kloster versteht sich als Ort der Stille, des Gebets und der geistlichen Orientierung. Zugleich steht es Frauen offen, die das klösterliche Leben kennenlernen möchten, etwa durch Mitleben auf Zeit oder eine spätere Verbindung als Oblatin.


Der Gründungsimpuls: Eucharistische Anbetung als Dienst für die Welt

Obwohl die Gemeinschaft zunächst benediktinisch ist, prägt die “zweite Gründerin", so die Priorin Sr. Eva-Maria in einem Interview, Mechtilde de Bar, ihr geistliches Profil entscheidend. Sie gründete diese besondere Form benediktinischen Lebens während des Dreißigjährigen Krieges. Vielerorts kam es zu Entweihungen der konsekrierten Hostie. Mechtilde de Bar wollte darauf antworten und verlieh ihren Klöstern das besondere Anliegen der Sühne mit der eucharistischen Anbetung, als “stellvertretendes Dasein vor Gott“, wie auf der Webseite des Klosters beschrieben (www.osb-os.de).

Allerdings wollte Mechtilde de Bar, dass diese Form des Gebetes etwas Besonderes bleiben sollte und nicht zur Gewohnheit werden. Deshalb versammeln sich die Schwestern in Osnabrück bis heute donnerstags und sonntags zur eucharistische Aussetzung; an den übrigen Tagen beten sie gemeinsam vor dem Tabernakel in ihrer Hauskapelle. Hinzu kommen regelmäßig sogenannte Reparations- oder Gebetstage. An ganzen Vormittagen widmet sich eine Schwester dem Gebet für konkrete Anliegen der Gegenwart. Dabei stehen Themen wie der Frieden, Opfer von Naturkatastrophen oder persönliche Anliegen im Mittelpunkt, die Menschen an das Kloster herantragen.

Für Sr. Eva-Maria bleibt das geistliche Leben das Gegenteil der Gewohnheit. „Ich würde nie behaupten, dass ich beten kann“, sagt die Priorin. „Man bleibt Anfänger und entwickelt sich doch als erfahrene Person.“ Auch im Glauben oder in Gott selbst gebe es immer wieder Widersprüche, die doch miteinander funktionieren.

Sr. Eva-Maria ist überzeugt, dass der ursprüngliche Gründungsimpuls heute noch genauso aktuell ist. „Gerade heute brauchen wir Anbetung“, sagt sie. Der Glaube schwindet, die Volksfrömmigkeit in Deutschland verdunstet, Gemeinden werden zusammengelegt und Kirchen geschlossen. Umso wichtiger seien stabile Orte, an denen Glaube sichtbar gelebt werde. Das Kloster liegt mitten in der Osnabrücker Innenstadt – umgeben von Verkehr, Krankenhäusern und der Feuerwehr. Von der Straße aus hört man Sirenen und den Lärm der Stadt. Hinter den Klostermauern erlebe man dagegen eine stille und geistliche Oase. Für Sr. Eva-Maria ist dieser Kontrast bezeichnend: Viele Menschen suchen heute genau solche Orte der Ruhe. 


Werke, Alltag und geistliche Begleitung

Nachdem die Gemeinschaft ihre frühere Mädchenschule aufgegeben hatte, weil Schule und ewige Anbetung auf Dauer nicht miteinander vereinbar waren, entwickelten sich neue Arbeitsfelder. Bis heute stellen die Schwestern Hostien, Kerzen und Paramente her.

Ebenso wichtig ist die geistliche Begleitung. Mehrere Schwestern begleiten Menschen auf ihrem Glaubensweg, die Nachfrage ist groß. Auch die wenigen Möglichkeiten für Gastaufenthalte sind dauerhaft ausgelastet. Hinzu kommt eine Lebensmittelausgabe für Menschen in finanziellen Notlagen.

Auch das Gemeinschaftsleben sieht Sr. Eva-Maria als große Bereicherung. Zwar müsse das Leben in Gemeinschaft oft gelernt werden, “doch wenn jemand wirklich berufen ist, ist er auch befähigt."


Ein TikTok Hit: kontemplatives Leben

Bereits Mitte der 1990er Jahre gehörte die benediktinische Gemeinschaft zu den ersten Klöstern mit einer eigenen Internetseite. Sr. Eva-Maria ist überzeugt: „Neue Erfindungen sind so oder so da – dann sollten wir sie nicht den anderen überlassen.“

Auf Anfrage des Bistums Osnabrück veröffentlichte die Gemeinschaft ein erstes Video auf Instagram, das dann auf TikTok weiterverbreitet wurde. Ein Hit: die Resonanz hat alle überrascht. Jugendliche würden dadurch erstmals auf das Kloster aufmerksam. Zwar sei TikTok „wenig tiefgehend“, räumt die Priorin ein, doch erreiche man dort Menschen, die sonst nie mit einem Kloster in Berührung kommen würden.

Viele Videos entstehen aus den Fragen der Nutzer; die Schwestern greifen diese in neuen Beiträgen auf. Besonders auffällig sei dabei die Offenheit vieler junger Menschen. Während ihre eigene Generation Religion oft mit Misstrauen begegnet, hätten viele Jugendliche heute schlicht keinen Berührungspunkt mehr – und deshalb eine große Neugier.

Für die Zukunft ihrer Gemeinschaft wünscht sich Sr. Eva-Maria vor allem, dass das Charisma der eucharistischen Anbetung in die nächste Generation weitergetragen wird. Für Deutschland hofft sie, dass das christliche Erbe nicht verloren geht und Menschen auch künftig „Kraft und Freude aus dem Glauben finden“.

Zum TikTok Kanal des Bistums Osnabrück geht es hier