Ordensgemeinschaften in Deutschland

Trappistinnen der Abtei Maria Frieden in Steinfeld

Sommerartikelreihe: Spiritualität, Werke und Ausstrahlung kleiner Gemeinschaften

“Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” (Mt. 18,20). Nicht selten zählen selbständige Klöster oder Ordensniederlassungen nur wenige Mitglieder – manchmal sind es tatsächlich eher „zwei oder drei“ als mehrere Dutzend. Aber genau diese Verheißung Christi, in ihrer Mitte gegenwärtig zu sein, lässt viele kleine Gemeinschaften auf besondere Weise ausstrahlen.

Dabei sind sie so vielfältig wie die Kirche selbst. Sie prägen eine bunte Landschaft aus Spiritualitäten, Charismen, Werken und Missionen. Während einige ihren Schwerpunkt auf Bildung und die Vertiefung des Glaubenswissens legen, widmen sich andere der praktischen Unterstützung von Familien oder vielfältigen Formen geistlicher Begleitung. In unserer Sommerreihe möchten wir einige dieser kleinen Gemeinschaften in Deutschland vorstellen. Dabei richten wir den Blick auf das oft stille und unscheinbare, zugleich aber wirkungsvolle Wirken Gottes durch Menschen, die sich in seinen Dienst stellen. Sie bauen am Reich Gottes auf Erden mit.

Im Mittelpunkt des heutigen Beitrags steht eine Gemeinschaft, die es es in Deutschland nur an zwei Orten gibt. Die Zisterzienserinnen der strengeren Observanz, besser bekannt als Trappistinnen, haben sich in der Abtei Maria Frieden in Steinfeld in der Eifel ein Leben aufgebaut, das sich ganz der Stille, dem Gebet und der Hingabe an Gott widmet.


Die Trappistinnen von Maria Frieden in Steinfeld

Wer das Salvatorianerkloster in Steinfeld besucht, sieht zuerst die mächtigen Mauern und das eindrucksvolle Eingangstor. Doch schon davor fällt links neben der Klostermauer ein unscheinbares Haus auf, das sich eng an die Steine lehnt. Hinter dieser schlichten Fassade lebt eine der beiden trappistischen Frauengemeinschaften Deutschlands.

Seit August 2022 haben die Schwestern hier, im ehemaligen Benediktinerinnenkloster am Kloster Steinfeld, eine neue Heimat gefunden. Ihr früheres Kloster in Dahlem, das ihre Vorgängerinnen am 8. Dezember 1952 bezogen hatten, war im Laufe der Jahrzehnte zu groß und zu kostenintensiv geworden. Aus diesem Grund nutzten sie die Gelegenheit, in Steinfeld ein kleineres, frisch renoviertes Klostergebäude zu beziehen, welches ihrer Gemeinschaftsgröße entspricht und den kontemplativen Lebensstil erleichtert. Hier hatte bis vor wenigen Jahren eine Benediktinerinnengemeinschaft gelebt. Die Klausur des Trappistinnenklosters umfasst heute nur noch ein Viertel der früheren Fläche. Viele Schwestern entschieden sich bereits als junge Frauen für den Weg der Klausur, der innere Klarheit und die Bereitschaft verlangt, sich ganz dem Gebet zuzuwenden.


Der Ursprung des trappistischen Ordens

Der Trappistenorden entstand im 17. Jahrhundert als Reformbewegung innerhalb der Zisterzienser. Armand Jean Le Bouthillier de Rancé führte im Kloster La Trappe ein strenges Leben aus Askese, Schweigen und Abgeschiedenheit ein. Seine Reform verbreitete sich rasch und prägte zahlreiche Männer- und Frauenklöster. Nach Vertreibungen während der Französischen Revolution kehrten die Gemeinschaften zurück und wurden 1892 zu einem eigenständigen Orden vereinigt. Heute existieren weltweit viele Klöster. In Deutschland bestehen nach der Auflösung des Männerklosters Mariawald 2018 die beiden Trappistinnenklöster Maria Frieden und Gethsemani.

Von Dahlem nach Steinfeld – ein behutsamer Neubeginn

Die Wurzeln der Gemeinschaft in Steinfeld liegen im rund zwanzig Kilometer entfernten Dahlem. Dort bezogen am 8. Dezember 1952 vier Schwestern aus der niederländischen Abtei Koonigsoord ein neues Kloster. Ein Jahr später wurden sie und zwölf weitere Schwestern feierlich in die Klausur eingeführt. Die ersten Jahrzehnte waren neben der Kontemplation geprägt von Landwirtschaft, Viehzucht und später von Handarbeiten wie Likörherstellung, der Anfertigung von Paramenten und Weberei. Doch die große Anlage wurde mit der Zeit zu belastend, denn während die Gemeinschaft schrumpfte, blieben die Gebäude weitläufig und die Kosten hoch. Der Umzug nach Steinfeld war daher ein notwendiger Schritt. Die Oberin, Schwester Gratia, beschreibt ihn im ersten Moment als schmerzlich, später aber befreiend.


Der Rhythmus des Gebets

Der Tagesablauf der Schwestern folgt der Regula Benedicti mit sieben Gebetszeiten. Er beginnt um 4 Uhr mit der Vigil in der Kirche St. Mariä Heimsuchung, gefolgt von Laudes und der Messe. Terz, Sext, Non und Vesper strukturieren den Tag, bevor die Komplet um 19:20 Uhr den Abschluss bildet. Dazu versammeln sich die Schwestern im Chorgestühl der schlichten kleinen Klosterkirche. Seelsorgerische Aufgaben übernehmen sie bewusst nicht, um sich ganz der Kontemplation widmen zu können.

Arbeit in der Stille

Zwischen den Gebetszeiten erledigen die Schwestern alle anfallenden Aufgaben. Hierzu gehören die Haushaltsführung, Näharbeiten, Buchhaltung, Pflege älterer Mitschwestern, Garten- und Friedhofspflege, Sakristeidienst, Bibliotheksarbeit und Chronikführung. Auch die Kommunikation mit der Außenwelt gehört dazu.


Die kleine Manufaktur

Seit November 2023 betreiben die Trappistinnen eine kleine Manufaktur, in der sie Trockengemüse, Bärlauchsalz und marmorierte Kerzchen herstellen. Die Produkte werden im benachbarten Klostercafé des Salvatorianerklosters verkauft und erfreuen sich großer Nachfrage. Die Manufaktur knüpft an die klösterliche Handwerkstradition an. Auch das kontemplative Leben lässt Raum für praktische Kreativität.

Ein stilles Zeugnis

Das Leben der Trappistinnen in Steinfeld ist ein stiller Gegenentwurf zu einer Welt voller Geschwindigkeit und ständiger Erreichbarkeit. Es entzieht sich jeder äußeren Zwecksetzung. Es ist schlicht, verborgen und kraftvoll. Der Alltag der Schwestern zeigt, dass Hingabe, Gemeinschaft und Glaube auch heute Orte finden können, an denen sie bestehen.


Weitere Informationen zu der Ordensgemeinschaft der Trappistinnen finden sich auf der Website der Abtei Maria Frieden in Steinfeld