06.10.2018

#synodenblog: Mut zur Lücke - von Pater Johannes Kaufmann SDB

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Mut zur Lücke! Dieser Satz, den wir uns manchmal selber vor Prüfungen oder großen Aufgaben zuflüstern oder der uns als gutgemeinte Ermutigung von anderen zugesprochen wird, scheint bei dieser Synode eine völlig neue Deutung zu erhalten.

Entgegen der in den Prüfungen des Lebens erlernten Erwartung, auf alles schnellstmöglich die richtige, oft vorgefertigte und erlernte, Antwort zu haben, mutet Papst Franziskus den Synodenteilnehmern zu, nach jedem fünften Redebeitrag eine Pause von drei Minuten zu machen. In vielen Berichten dieser ersten Tage taucht immer wieder diese Zeit der Stille als etwas Besonderes auf.

Drei Minuten schweigen, drei Minuten aushalten, drei Minuten HINHÖREN, was gesagt wurde und was dies in mir auslöst. Letztendlich drei Minuten Lücke in einer bis auf die letzte Sekunde durchgeplanten Zeit- und Arbeitsmaschine.

Es ist zwar nur wenig, aber vielleicht sind drei Minuten ein gewaltiger Schritt in einer Welt der bis auf die letzte Minute gefüllten Kalender, in einer Welt, in der selbst viele Kinder kaum eine halbe Stunde Muße und Raum zum freien Spielen mehr haben, in einer Welt in der Produktionszeiten auf Sekunden kalkuliert sind, in einer Welt des Funktionierens und der zu erfüllenden Erwartungen.

Papst Franziskus hat keine Angst, hier auszusteigen. Er hat keine Angst dem ins Gesicht zu schauen, was in dieser unverplanten und unverzweckten Zeit heraufsteigt. Er hat keine Angst, den oftmals perfekten theologischen und hierarchischen Systemen, in denen das Menschliche zum Problem wird, eine Lücke zu verpassen.  

Er hat Hoffnung, dass gerade diese kleine Lücke etwas Neues hervorbringt. Das in ihr die Kirche, diese alte Institution, neu fähig wird, auf das Heute und diese Welt zu hören. Und dies ist so wichtig, weil für Franziskus gilt „die Realität ist wichtiger als die Idee“ (Evangelium Gaudium) Dies wird im „Instrumentum Laboris“ der Jugendsynode den Synodenteilnehmer prominent bei Punkt 4 zitiert. Der (junge) Mensch und dessen konkrete Lebensrealität ist Ausgangspunkt und Zielpunkt der Frohen Botschaft. Um ihn geht es. Nicht um irgendwelche abstrakte Wahrheiten.

Was würde sich ändern in unserem Alltag, in unseren Familien, in unseren Gemeinschaften, in unserer Kirche, wenn auch wird diesen Mut hätten immer wieder Lücken zu lassen. Lücken in denen nicht wir sprechen, sondern hören: auf die Menschen, auf die Jugendlichen, auf den Heiligen Geist.

Haben wir Mut zu Lücken, in denen junge Menschen mit ihrer Lebendigkeit, mit ihrer Kreativität, mit ihrem Einsatz für Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, einen Fuß in die Tür unserer heiligen Kirche bekommen.

Haben wir Mut die Türen nicht zuzumachen, wenn der Jugendraum chaotisch aussieht, wenn junge Menschen laut und manchmal auch frech und unangepasst sind.

Haben wir Mut innezuhalten und auszuhalten, dass Gottes Geist spricht.

Haben WIR Mut zur Lücke.

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