Sexueller Missbrauch von Minderjährigen und Schutzbefohlenen

Veröffentlichung der Ergebnisse einer Mitgliederbefragung der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) zum Thema „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Ordensangehörige sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und zur Prävention“ 

Die DOK hat am 26. August die Ergebnisse einer Befragung unter ihren Mitgliedern zum Thema „Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Ordensangehörige sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und zur Prävention“ veröffentlicht.

Pressemitteilung vom 26. August 2020

Bericht: Sexueller Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Ordensangehörige sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und zur Prävention

Aufarbeitung

Nach dem Bekanntwerden von Fällen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen durch Ordensleute hatte die Vereinigung deutscher Ordensobern bereits im Jahr 2003 Leitlinien zum Umgang und zur Aufarbeitung erlassen. Anfang 2010 haben die neu bekannt gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs bzw. sexualisierter Gewalt zu einer breiten Diskussion geführt. In enger Abstimmung mit der Deutschen Bischofskonferenz hat die DOK die Regelungen 2010, 2014 und 2020 überarbeitet und den Oberen der Ordensgemeinschaften in Deutschland zur Inkraftsetzung empfohlen (hier geht es zum Download). Die Gleichwertigkeit dieser Regelung zur bischöflichen Ordnung wurde am 26.8.2020 durch die Deutsche Bischofskonferenz festgestellt. Darüber hinaus wurden die Bemühungen um Aufarbeitung und Maßnahmen zur Prävention verstärkt. Die DOK war am Runden Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch" beteiligt und ist bezüglich der Umsetzung seiner Ergebnisse mit den beteiligten Bundesministerien im Gespräch.

Im Nachgang der im Herbst 2018 erschienenen "MHG-Studie" hat die Deutsche Bischofskonferenz konkrete Maßnahmen zur Aufklärung und Aufarbeitung beschlossen. Die DOK ist darin eingebunden.

Prävention sexuellen Missbrauchs

Auf ihrer Mitgliederversammlung im Juni 2014 hat die Deutsche Ordenobernkonferenz eine Rahmenordnung zur Prävention sexualisierter Gewalt verabschiedet. Diese wurde 2020 aktualisiert und den Oberen der Ordensgemeinschaften in Deutschland zur Inkraftsetzung empfohlen. Unser Handeln als Ordensgemeinschaften ist unserer christlichen Grundhaltung verpflichtet, die geprägt ist von Respekt vor dem Nächsten, Achtung vor der Würde des Anderen und dem Schutz der Schwächeren. Präventionsarbeit ist dabei ein Grundprinzip pädagogischen Handelns, das in allen Maßnahmen und Aktivitäten der ordensgetragenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen integriert sein muss... mehr

Im Jahr 2016 wurde eine Vereinbarung zwischen der DOK und dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des Sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) unterzeichnet. Sie zieht Bilanz über die bisher erfolgten Maßnahmen im Zusammenhang mit dieser Thematik und zeigt die geplanten Maßnahmen und Vereinbarungen auf.

Beauftragte der Ordensgemeinschaften

Die Ordensgemeinschaften päpstlichen Rechts haben Ansprechpersonen benannt, an die man sich bei Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs wenden kann. Auch Ordensgemeinschaften bischöflichen Rechts haben zum Teil eigene Ansprechpersonen. Für Ordensgemeinschaften bischöflichen Rechts sind ansonsten die Beauftragten der jeweiligen Diözesen zuständig.       
Liste der Ansprechpersonen der Ordensgemeinschaften, an die man sich bei Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt/sexuellem Missbrauch wenden kann (PDF-Dokument)

Deutsche Bischofskonferenz: Beauftragte der Diözesen

Materielle Leistungen

"Ergänzendes Hilfesystem" (EHS)

Das Ergänzende Hilfesystem (EHS) wurde auf Basis der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch (RT KM) entwickelt. Im Abschlussbericht des RT KM heißt es hierzu: „Der Runde Tisch fordert den Bund auf, gemeinsam mit den Ländern und den betroffenen Institutionen zugunsten der Betroffenen sexualisierter Gewalt bzw. sexuellen Missbrauchs ein ergänzendes Hilfesystem einzurichten. Es soll die Aufgabe haben, noch andauernde Belastungen als Folgewirkung des Missbrauchs auszugleichen bzw. zu mildern. Leistungen aus diesem Hilfesystem sollen durch ein unabhängiges Entscheidungsgremium bewilligt werden („Clearingstelle“). Das Hilfesystem soll das bestehende Netz sozialrechtlicher Versorgungssysteme nicht ersetzen, sondern ergänzen.“ Das Ergänzende Hilfesystem besteht aus dem Fonds Sexueller Missbrauch und aus dem EHS-Institutioneller Bereich. In diesem institutionellen Bereich beteiligen sich im Rahmen der katholischen Kirche auch die Ordensgemeinschaften. Die Antragsfrist läuft für den Bereich der Ordensgemeinschaften bis zum Inkrafttreten des "Opferentschädigungsgesetzes", längstens jedoch bis zum 31. Dezember 2020. Hier geht es zur Antragstellung im Ergänzenden Hilfesystem: www.fonds-missbrauch.de/antragstellung/.

Kirchliches Hilfesystem

Um von sexualisierter Gewalt bzw. sexuellen Missbrauchs Betroffenen möglichst schnelle und unbürokratische Hilfe anbieten zu können, haben Deutsche Bischofskonferenz und Deutsche Ordensobernkonferenz seit März 2011 Regelungen getroffen. Die Komponenten dieses Leistungsmodells (Präventionsfonds, Erstattung von Kosten für Psychotherapie oder Paarberatung, materielle Anerkennung des Leids in Form einer einmaligen Zahlung, Regelung in besonders schweren Fällen) haben das Ziel, zur Heilung beizutragen. Materielle und immaterielle Hilfen sollen zum Ausdruck bringen, dass die Kirche das Leid und die Verwundungen anerkennt, die Betroffenen zugefügt wurden. Hier finden Sie alle Unterlagen:
Antragsformular - Version zum handschriftlichen Ausfüllen
Leistungen in Anerkennung des Leids
Merkblatt zum Antragsformular

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