22.05.2019

„Es geht nicht um uns, sondern um die Betroffenen“

Ordensgemeinschaften beraten zum Thema sexueller Missbrauch

  • „Es geht nicht um uns, sondern um die Betroffenen“

Vallendar. Am Mittwochvormittag, 22. Mai, ist in Vallendar die Mitgliederversammlung der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) zu Ende gegangen. Der Studienteil der Tagung stand unter dem Motto „Die Wahrheit macht uns frei. Missbrauch wahrnehmen - aufarbeiten - vorbeugen“. Die Mitgliederversammlung sieht weiterhin die Notwendigkeit, intensiv an Aufarbeitung und Prävention im Bereich des sexuellen Missbrauchs zu arbeiten.

„Wir sind uns bewusst, dass wir noch nicht genug wissen, über das, was in den einzelnen Gemeinschaften geschehen ist und geschieht: an Taten, aber auch an Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention“, so die DOK-Vorsitzende Schwester Dr. Katharina Kluitmann OSF. Deshalb hat die Mitgliederversammlung beschlossen, eine entsprechende Erhebung durchzuführen. Die DOK will z. B. wissen: Wieviele Betroffene von sexueller Gewalt sind in den Ordensgemeinschaften bekannt? In welchem Umfang wurden finanzielle Mittel in Anerkennung des Leids ausgezahlt? Welche Präventions- und Schutzkonzepte gibt es? Liegen Erkenntnisse über Betroffene unter den Ordensangehörigen vor?

Die DOK ist in die konkreten Maßnahmen eingebunden die die Deutsche Bischofskonferenz aufgrund der "MHG-Studie“ im Herbst 2018 unter den Begriffen „Aufklärung und Aufarbeitung“ beschlossen hat. Sowohl im Bereich der Aufarbeitung als auch in Bezug auf Prävention plant sie darüber hinaus Fortbildungen. Das tut sie allein und auch in Kooperation mit anderen Organisationen, z. B. mit den Verantwortlichen für die Priesterseminare.

Sr. Katharina stellte fest, dass während der Tagung eine große Nachdenklichkeit und Offenheit spürbar gewesen sei. Der Weg, den die DOK seit dem Jahr 2010 beschreite, habe in diesen Tagen deutliche Impulse bekommen: „Wir sind lange nicht am Ziel, aber wir haben Wegmarken, an denen wir weiterarbeiten können. Das Entscheidende bleibt: Es geht nicht um uns, sondern um die Betroffenen.“

Zum Abschluss der Tagung hat ein Pressegespräch stattgefunden. Die Statements der Vorsitzenden Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF und von Vorstandsmitglied P. Peter Kreutzwald OP sowie die Manuskripte der Vorträge im Rahmen der Tagung stehen nachfolgend zur Verfügung.

Statements

Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF

P. Peter Kreutzwald OP

Manuskripte der Tagungsredner aus der Ordenskorrespondenz 2/2019:

Sr. Dr. Katharina Kluitmann OSF: Was ist geistlicher Missbrauch?

Sr. Lioba Zahn OSB: Gratwanderungen

Sr. Anna-Luisa Kotz: Das Ende des Schweigens

Fr. Gregor Beilhack OSB: Kloster Ettal - Erfahrungen aus dem Aufarbeitungsprozess

Hr. Robert Köhler: Pfad durch den Dschungel der Aufarbeitung

Sylke Schruff: Die Zentrale Koordinierungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz

Prof. P. Dr. Hans Zollner SJ: Prävention in der Weltkirche: Die Kinderschutzkonferenz im Vatikan