Ausgabe 1/2013

Schwerpunktthema "Erinnerung an das Konzil aus Ordenssicht""

"Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren. Aber wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen."

Mit diesen Worten wird Jorge Mario Kardinal Bergoglio in ersten Pressereaktionen auf seine Wahl zum neuen Papst zitiert. Diese Worte des heutigen Papst Franziskus erinnern stark an das aggiornamento von Papst Johannes XXIII., mit denen dieser die Kirche zur notwendigen Öffnung für den Dienst in einer modernen Welt aufrief.

Dieses aggiornamento wurde zu einem Leitmotiv des Zweiten Vatikanischen Konzils und lag vermutlich auch vielen Autorinnen und Autoren der aktuellen Ordenskorrespondenz in den Ohren als sie vor 50 Jahren am Beginn ihres Noviziats oder am Beginn ihres Studiums standen. Zum 50-jährigen Jubiläums des Konzils ziehen junge Ordensfrauen und -männer von damals nun eine persönliche Bilanz und erinnern sich. Sie waren nicht selbst Teilnehmer des Konzils, aber sie waren diejenigen, die - gerade als junge Ordensleute - von den Umwälzungen "hautnah" betroffen waren. Man kann in ihren Erinnerungen den Atem jener Zeit spüren: Das Bewusstsein, dass große Veränderungen notwendig waren und bevorstanden. Die große Verunsicherung angesichts von Leer- und Freiräumen, die entstanden waren, aber vor allem das Feuer jener Kraft und die Ernsthaftigkeit der Suche, mit denen sich diese Generation daran gemacht hat, die Weichen für die Zukunft zu stellen und voranzugehen.

Wir sind noch nicht zu Ende damit, dieses Konzil zu verstehen und umzusetzen. Eine neue Generation ist heute gefordert, Konzequenzen aus den Konzilstexten zu ziehen und zugleich darüber hinaus zu denken. Neue Herausforderungen lassen auch die 50 Jahre alten Texte in neuem Licht erscheinen. Davon zeugt in diesem Heft etwa der Bericht über ein Symposium im vergangenen November im Rahmen eines von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster (PTH) und dem Institut M.-Dominique Chenu (IMDC) verantworteten Forschungsprojekts. Es ging um "Glaubensvermittlung in gesellschaftlichen und religiösen Transformationsprozessen".

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