Ausgabe 2/2015

Themenschwerpunkt: Die Flüchtlinge und die Ordensgemeinschaften

Vor eineinhalb Jahren war der erste Beitrag des Heftes 4/2013 unserer Zeitschrift überschrieben: „Flüchtlinge und Migranten als Herausforderung für Kirche und Orden“. Der internationale Direktor des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten, P. Peter Balleis SJ, schilderte darin das Aufgabenfeld und Selbstverständnis seiner Organisation vor dem Hintergrund der ersten großen Flüchtlingstragödie vor Lampedusa mit mehreren hundert ertrunkenen Menschen. Papst Franziskus hatte kurz darauf - auch davon berichtet P. Balleis - an leere Konvente in Rom erinnert und dazu ermuntert, diese für Flüchtlinge zu öffnen. Die Ordensgemeinschaften haben den Papst beim Wort genommen.

Wohl kaum jemand im deutschsprachigen Ordensbereich hat damals geahnt, wie sehr dieser Aufruf des Papstes auch für die Klöster und Ordensgemeinschaften bei uns Relevanz erhalten würde. Die Zahl der Flüchtlinge, die in wackligen Schlauch- und Fischerbooten über das Mittelmeer kommen, ist seither noch einmal deutlich angewachsen und steigt weiterhin. Das Unglück vor Lampedusa hat sich nicht als der Weckruf erwiesen, der es hätte sein können; neuerliche Bootshavarien - kleine und große - haben ungezählte weitere Opfer gefordert.

Heute - eineinhalb Jahre nach der Mahnung des Papstes - sind viele Ordensgemeinschaften auch in Deutschland in diesem Anliegen engagiert und die Ordenskorrespondenz greift das Thema erneut auf. Auch in Deutschland ist der Jesuiten-Flüchtlingsdienst eine der markantesten Stimmen weit über den Ordensbereich hinaus zur Flüchtlingsthematik. Dessen deutscher Leiter, P. Pflüger SJ, appelliert in seinem Beitrag für ein Europa der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts für alle, die sich ihm anvertrauen.

Über Entscheidungsprozesse und Weichenstellungen, die für die Aufnahme von Flüchtlingen - teils unerwartet schnell und fast überstürzt - notwendig werden können, berichten Sr. Monika Edinger CSR und P. Alfred Tönnis OMI. Das Ordensleben selbst bleibt von solchem Engagement nicht unberührt. Das lässt exemplarisch der Beitrag von Sr. Birgitt Stollhof CJ ahnen. Am Beginn dieses Heftes steht jedoch ein Beitrag aus dem Libanon. Sr. Hanan Youssef RGS berichtet von ihrer Arbeit im Norden von Beirut, wo sie sich um Flüchtlinge aus dem Irak und aus Syrien kümmert - sie ist um so viel näher als wir an jenen Ereignissen, die viele der Flüchtlinge, die auch zu uns kommen, gezwungen haben, ihre Heimat zu verlassen.