Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975

In den 50er bis 70er Jahren gab es wissenschaftlichen Studien zufolge insgesamt rund 800.000 Heimkinder in Deutschland. Etwa 300.000 davon waren in katholischen Einrichtungen untergebracht. In dieser Zeit kam es in verschiedenen Einrichtungen zu großem Leid und Unrecht. Seit einigen Jahren findet eine intensive Aufarbeitung dieser Vorgänge statt.

Stiftung Anerkennung und Hilfe

Kinder und Jugendliche, die in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder stationären psychiatrischen Einrichtungen gelebt haben, waren ebenfalls von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffen. Um Betroffenen schnellen Zugang zu Informationen über Beratungsangebote, Anerkennung und finanzieller Hilfe zu bieten, wurde die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" ins Leben gerufen. Neben Bund, Ländern, kirchlichen Sozialdiensten, Deutscher Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist auch die Deutsche Ordensobernkonferenz an diesem Projekt beteiligt. Die Stiftung "Anerkennung und Hilfe" begann ihre Arbeit am 1. Januar 2017 und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.
Nähere Informationen sind unter stiftung-anerkennung-und-hilfe.de zu finden - auch in Gebärdensprache und in Leichter Sprache.

Heimkinder-Hotline, Runder Tisch und Fonds Heimerziehung

Eine "Heimkinder-Hotline" der Deutschen Bischofskonferenz, der Orden und der Caritas war von Januar 2010 bis Juni 2012 geschaltet. Neben einem Gesprächsangebot konnte den Betroffenen hier therapeutische Angebote und Ansprechpartner zur Akteneinsicht vermittelt werden.
Der Runde Tisch "Heimerziehung" hat im Dezember 2010 nach zweijährigen Beratungen seinen Abschlussbericht vorgelegt. Die Deutsche Ordensobernkonferenz war dort vom Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz mitvertreten worden. Das Thema Heimerziehung wurde zusammen mit Vertretern von evangelischer Kirche, Staat, Kommunen sowie Betroffenen kritisch diskutiert und beleuchtet. Im Abschlussbericht wurde unter anderem vorgeschlagen, einen Fonds für Folgeschäden und Rentenersatzleistungen einzurichten. Seit dem 1. Januar 2012 standen Betroffenen Mittel aus dem Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975" (Fonds "Heimerziehung West") zur Verfügung; bis zum 31. Dezember 2014 konnten betroffene ehemalige Heimkinder ihre Ansprüche bei Ihrer zuständigen Anlauf- und Beratungsstelle anmelden. Auf der Website zum Fonds finden sich dazu ausführliche Informationen: www.fonds-heimerziehung.de. Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständigen Beratungseinrichtungen: 0800 1004900.

Kinderrechtsfibel des Arbeitskreises ehemaliger Heimkinder Deutschlands

Der Arbeitskreis ehemaliger Heimkinder Deutschlands (AeHD) hat zwei Broschüren erarbeitet, die die UN-Kinderrechtskonvention in kindgerechter Sprache enthalten. Sie stehen für Kinder von 6-12 Jahren und für Jugendliche von 13-18 Jahren zur Verfügung. Verteilt wird die "Kinderrechtsfibel" im Land Berlin werden die Broschüren in drei Sprachen an Kinder und Jugendliche in Kinder- und Jugendheimen und in der Flüchtlingshilfe. Außerdem soll die Broschüre mit der Kinderrechtskonvention als Grundlage der Präventionsarbeit dienen.  

Bochumer Studie zur Konfessionellen Heimerziehung 1945-1975

Die Evangelisch- und Katholisch-Theologischen Fakultäten der Bochumer-Ruhr Universität arbeiteten von 2008-2012 an einem Forschungsprojekt "zu den systemischen Bedingungen in kirchlichen Heimen, die Unrecht und Demütigung geradezu  hervorbringen oder zumindest begünstigen. Die Studie erhielt finanzielle Unterstützung unter anderem durch die Deutsche Ordensobernkonferenz. Das Buch "Gehorsam-Ordnung-Religion, Konfessionelle Heimerziehung 1945-1975" (2012) von Dr. Bernhard Frings und Dr. Uwe Kaminsky fasst die umfangreiche Studie zusammen.

Meldungen

  • 23.06.2016

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    Mit Wirkung vom 1. Januar 2012 an stehen Betroffenen Mittel aus dem Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ (Fonds „Heimerziehung West“) zur Verfügung... Mehr

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    Seit kurzem steht im Kloster Oberzell bei Würzburg eine Stele aus Glas, die an den Sendungsauftrag der Gemeinschaft erinnert und vor dem Hintergrund von Aufarbeitung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren mahnt... Mehr