Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975

In den 50er bis 70er Jahren gab es nach wissenschaftlichen Studien insgesamt rund 800.000 Heimkinder. Davon waren etwa 300.000 in katholischen Einrichtungen untergebracht. Seit einigen Jahren findet eine intensive Aufarbeitung der Heimerziehung in Deutschland statt. Genaue Zahlen, wie viele Kinder und Jugendliche damals in Heimen von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffen waren, gibt es nicht. Eine "Heimkinder-Hotline" der Deutschen Bischofskonferenz, der Orden und der Caritas war von Januar 2010 bis Juni 2012 geschaltet. Der Runde Tisch "Heimerziehung" hat im Dezember 2010 nach zweijährigen Beratungen seinen Abschlussbericht vorgelegt. Die Deutsche Ordensobernkonferenz wurde dort vom Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz mitvertreten. Das Thema Heimerziehung wurde dort zusammen mit Vertretern von evangelischer Kirche, Staat, Kommunen sowie Betroffenen kritisch diskutiert und beleuchtet. Im Abschlussbericht wurde unter anderem vorgeschlagen, einen Fonds für Folgeschäden und Rentenersatzleistungen einzurichten. Seit dem 1. Januar 2012 standen Betroffenen Mittel aus dem Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975" (Fonds "Heimerziehung West") zur Verfügung; bis zum 31. Dezember 2014 konnten betroffene ehemalige Heimkinder ihre Ansprüche bei Ihrer zuständigen Anlauf- und Beratungsstelle anmelden. Auf der Website zum Fonds finden sich dazu ausführliche Informationen: www.fonds-heimerziehung.de. Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständigen Beratungseinrichtungen: 0800 1004900.

Auch Kinder und Jugendliche, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe gelebt haben, waren von körperlichen und seelischen Misshandlungen betroffen. Das Bundeskabinett hat am 9. November 2016 der Errichtung der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ zugestimmt. Daran beteiligt sind neben dem Bund und den Ländern auch die Kirchen und in diesem Zusammenhang die Ordensgemeinschaften. Die Stiftung startete am 1. Januar 2017 und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Damit Betroffene aus stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder aus stationären psychiatrischen Einrichtungen Kenntnisse über die Möglichkeiten zur Antragstellung erhalten, informieren die Bundesregierung, die Länder und die Kirchen mit ihren angegliederten Sozialverbänden über die Stiftung. Informationsmaterialien und Unterlagen stehen hier auf der Homepage der Stiftung "Anerkennung und Hilfe" zur Verfügung.

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