Ordensgemeinschaften in Deutschland

Orientierung und Jüngerschaft

Die als Zoomkonferenz stattfindende Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Berufungspastoral der Orden (AGBO) beschäftigte sich mit neuen geistlichen Angeboten für junge Erwachsene.

    

Neue Chancen des Online-Formates

Coronabedingt konnten sich die Mitglieder der AGBO nicht wie geplant vom 18.-19. Februar zur Jahrestagung im Bonifatiuskloster im hessischen Hünfeld versammeln, sondern mussten sich virtuell treffen. Das neue Format brachte jedoch auch Vorteile: „Ich hätte dieses Jahr in Präsenz nicht teilgenommen, aber einen halben Tag online konnte ich dabei sein. Das war super“, bemerkt ein Teilnehmer. Ebenso ermöglichte die Zoomkonferenz auch die Teilnahme einer Klausurschwester sowie eine Schwester, die sich zeitweise in Afrika aufhält. „Während bei der Präsenzveranstaltung gute vierzig Ordensleute zusammen kommen, waren online über fünfzig Personen dabei“, freut sich P. Martin Baranowski, der das Treffen moderierte.

Orientierung zu Orientierungsjahren

Während des Studienteils beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Bedeutung der vielfältigen Angebote von Orientierungsjahren und Jüngerschaftsschulen für die Berufungspastoral der Orden. Zunächst stellte Pfr. Michael Maas, Direktor des Zentrums für Berufungspastoral (ZfB), die katholischen Angebote von Orientierungsjahren vor. Er erkennt darin eine Antwort auf die Bedürfnisse der heutigen Jugendlichen: „Es braucht für junge Menschen Stärkung auf dem Glaubensweg. In den Gemeinden wird das nicht mehr ohne weiteres geleistet. Entscheidungen brauchen Zeit. Es ist oftmals wichtig, einen längeren, intensiven Weg zu gehen. Begleitung ist –nicht erst seit „Christus vivit“ – ein wichtiger werdendes Merkmal der Pastoral. Man machte heute das Abitur ein Jahr früher. Daran schließt sich oft ein GAP-Year an.“ An den 15 verschiedenen Orientierungsjahren, die mehrheitlich von deutschen Bistümern mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Schwerpunkten angeboten werden, nehmen jedes Jahr zwischen zwei und 25 Teilnehmern teil. Insgesamt sind es jedes Jahr etwa 100 - 200 junge Menschen – etwa ebenso viele junge Frauen wie Männer.

Junge Menschen auf dem Weg der Jüngerschaft

Junge Menschen in ihrer Christusbeziehung fördern und sie in ihrer gottgeschenkten Identität stärken. Die Vision ist, sie zu einem Reich Gottes Lebensstil zu befähigen und ihnen zu helfen, den Traum Gottes für ihr Leben zu entdecken. So werden sie darauf vorbereitet, in allen Bereichen der Gesellschaft – Kirche, Medien, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Familie, Bildung, etc. – die Kultur auf eine positive Art und Weise mitzuprägen“, beschreibt Referentin Sylvia Gawlik bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) den Ansatz der Jüngerschaftsschulen. Das Format „Jüngerschaftsschule“ begann 1992 mit der „Emmanuel School of Mission“. Inzwischen gibt es im deutschsprachigen Raum etwa 20 Angebote in katholischer und freikirchlicher Trägerschaft mit steigenden Teilnehmerzahlen – in den letzten Jahren haben etwa 2000 junge Menschen an einer Jüngerschaftsschule teilgenommen. Auf katholischer Seite sind die Träger der Angebote meist neue geistliche Gemeinschaften. Doch auch die Bistümer Speyer und Eichstätt bieten eine Jüngerschaftsschule an. Charakteristisch sind die Ausbildung in Gebet, Gemeinschaft, Glaubenswissen sowie eine Befähigung für die Sendung, weshalb ein Großteil der Absolventen sich auch nach dem Jahr ehrenamtlich im kirchlichen Bereich engagiert.

Lebendige Zeugnisse

Neben dem theoretischen Verständnis bot das Online-Format der Jahrestagung auch die Möglichkeit, mehre direkt Beteiligte zuzuschalten. So berichtete Bernadette Lang von den Erfahrungen der J9, welche die Loretto-Gemeinschaft in Salzburg betreibt. Sarah Briemle, gottgeweihte Frau im Regnum Christi, stellte die Jüngerschaftsschule FOLLOWERS sowie das Angebot des Coworkerjahres vor. Ulrike Zengerle vom Bischöflichen Jugendamt in Augsburg referierte über das BASICAL, dessen Gründungsmitglied sie ist. Br. Benedikt Eble, derzeit Ordensbruder bei der Passionisten und Theologiestudent in Regenburg, legte dar, wie ihm das BASICAL bei seiner Berufungsfindung geholfen habt. Sr. Ethel Maria Kollenberg gewährte einen Einblick in die Gründung des Orientierungsjahres „T_Raum“ im Erzbistum Berlin. Den Abschluss setzte P. Clemens Blattert SJ mit seinen Erfahrungen in der Frankfurter Zukunftswerkstatt SJ.

Hilfe für die Berufungspastoral

„Für mich war es sehr informativ und bereichernd, weil ich über Jahre nicht mehr mit diesen Themen konfrontiert war“, bemerkt ein Teilnehmer im Rückblick. Jedoch gab über die Hälfe der teilnehmenden Ordensleute an, entweder selbst die Gründung eines Orientierungsjahrs in Erwägung zu ziehen oder an einem der bereits bestehenden Angebote mitwirken zu wollen. Auch die zugeschalteten Verantwortlichen der Orientierungsjahre und Jüngerschaftsschulen signalisierten Bedarf: „Während dieses Jahres kommt bei vielen Teilnehmern die Berufungsfrage hoch. Da brauchen wir das Zeugnis des geweihten Lebens.“ Auch als Referenten, geistliche Begleiter und Exerzitienprediger sind Ordensleute gefragt, und die Klöster werden gerne als Orte geistlichen Lebens gesucht. Mit dem Freiwilligen Ordensjahr (FOJ) haben die Orden seit August 2019 auch ein eigenes Angebot. Sr. Maria Stadler berichtete, dass bisher 25 Männer und Frauen zwischen 18 und 75 Jahren daran teilgenommen haben. Eine FOJ-Absolventin ist inzwischen im Postulat einer Ordensgemeinschaft. (agbo)

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