Bildung und Erziehung

Bildung und Erziehung

"Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten." (Mk 1,21f.)


Die Lehre Jesu ist keine philosophische oder theologische Ideologie, sie ist auch keine Lebensanleitung in einem oberflächlichen Sinne, sondern sie dient wie sein ganzes Dasein einem Ziel: Gott in die Welt zu bringen und ihn als den zu offenbaren, der er ist. Auch wenn die Zeitzeugen Jesu nur in wenigen Momenten seine Identität klar erkannt haben, so spüren sie doch, dass er etwas anderes ist als die vielen Schriftgelehrten seiner Zeit: Er lehrt "mit Vollmacht", sodass die Menschen von seinen Worten berührt werden und sich bekehren. Jesu Lehre ist aber nicht nur theoretisch, wenn er etwa in Gleichnissen vom Reich Gottes spricht oder in Streitfragen die Schriftgelehrten entlarvt, sondern sie erweist sich in seinem Leben: So predigt er nicht nur die Nächsten- und Feindesliebe, sondern geht diesen Weg in aller Konsequenz, "gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz" (Phil 2,8).

Die Glaubenslehre als Auslegung und Interpretation der Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition hatte zu allen Zeiten ihren festen Platz im Leben der christlichen Gemeinde. Von Anfang an wurde an die christlichen Lehrer der Anspruch gestellt, nicht nur eine Lehre zu durchdenken und zu verkünden, sondern sie auch beispielhaft zu leben und ihren Schülern damit Orientierung zu geben. Schon früh entstanden theologische Schulen, in denen ein Lehrer seinen Schülern seine Interpretation des Glaubens vermittelte.

Das frühe Mönchtum funktionierte nach einem ähnlichen Prinzip: Ein Meister des christlichen Lebens gab seine Lehre an Schüler weiter. Nach diesem Modell sind noch heute z.B. die Benediktiner als eine Gemeinschaft von Lehrer (Abt) und Schülern (Mönche) strukturiert. Gerade das benediktinische Mönchtum prägte auch die entstehenden Schulen im heutigen Sinne: Es waren zunächst Klosterschulen, in denen Kinder Lesen und Schreiben lernten, um für ein Leben im Orden vorbereitet zu werden. Die Mönche trugen so auch dazu bei, dass die antike Bildung die wirren Zeiten der Völkerwanderung überlebte und ins Mittelalter überführt wurde.

Auch der Beginn der Universitäten ist eng mit den Orden verknüpft, v.a. mit den Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Diese Gemeinschaften förderten intensiv das Studium ihres Nachwuchses und gründeten eigene Ordenshochschulen, aus denen einige der größten Theologen der Kirchengeschichte wie der hl. Thomas von Aquin oder der hl. Bonaventura hervorgingen. Nach ihrer Gründung im 16. Jahrhundert taten sich auch die Jesuiten in der Gründung von Schulen und Universitäten hervor.

Bis heute gibt es auch in Deutschland eine Vielzahl an Ordensschulen und -hochschulen, an denen Ordensleute Bildung und christliche Werte an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Damit erfüllen sie auf ihre Weise ein Wort des Neuen Testaments: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt!" (1 Petr 3,15).