Prävention von sexuellem Missbrauch

Unser Handeln als Ordensgemeinschaften ist unserer christlichen Grundhaltung verpflichtet, die geprägt ist von Respekt vor dem Nächsten, Achtung vor der Würde des Anderen und dem Schutz der Schwächeren.

Auf der Mitgliederversammlung im Juni 2014 hat die Deutsche Ordenobernkonferenz eine Rahmenordnung zur Prävention von sexuellem Missbrauch verabschiedet und den Ordensgemeinschaften zur Inkraftsetzung empfohlen.

Präventionsarbeit ist ein Grundprinzip pädagogischen Handelns, das in allen Maßnahmen und Aktivitäten der ordensgetragenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen integriert sein muss. Wichtigste Aufgaben sind die Begleitung von Minderjährigen bei ihrer Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten sowie der Schutz und die Förderung des Kindeswohls. Erwachsene sind für den Schutz von Kindern und Jugendlichen verantwortlich. Wirksame Prävention muss sensibilisieren und befähigen, bei psychischen und physischen Grenzverletzungen aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen einzutreten. Ziele von Präventionsmaßnahmen:

  • Verminderung des Risikos sexueller Übergriffe/sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen in ordensgetragenen Einrichtungen und durch Ordensangehörige sowie durch Minderjährige untereinander
  • Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, wenn sie sexuelle Übergriffe zurückweisen und sich dagegen zur Wehr setzen
  • Erkennen und Abbau der besonderen Risikofaktoren des jeweiligen Arbeitsfeldes, die Täter und Täterinnen für die sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Jungen nutzen
  • Befähigung der Erwachsenen, bei beobachteten Grenzverletzungen wirksam einzugreifen
  • Schutz des Opfers bei sexuellem Missbrauch und Reduzierung des Risikos einer weiteren Traumatisierung, wenn Opfer Hilfe suchen

Die bereits vorhandenen Präventionsmaßnahmen und -konzepte in ordensgetragenen Einrichtungen werden derzeit überarbeitet und weiterentwickelt. Bereits vorhandene Beispiele stellen die Präventionsrichtlinien der Salesianer, das Präventionskonzept der Deutschen Kapuzinerprovinz, eine Handreichung zur Prävention der Steyler Missionsschwestern, die Präventionsmaßnahmen des Internats Ettal, das Präventionskonzept des Canisius-Kollegs, oder der Leitfaden zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche des Aloisiuskollegs Bonn-Bad Godesberg dar. Im August 2018 erschien zudem das audio-visuelle Präventionsprojekt „Cautela! Prävention stärken - Heilung fördern“, das von den Loyola-Productions Munich produziert wurde; es handelt sich um ein Lernprogramm, das für Missbrauch und Mobbing sensibilisieren und so mithelfen will, die Würde und Unversehrtheit junger Menschen zu schützen. Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) unterstützt die Erarbeitung und flächendeckende Einführung von Standards durch staatliche und kirchliche Stellen für die Präventionsarbeit. Folgende Prämissen sind dabei besonders im Blick:

  • Träger und Einrichtungsleitung sind verantwortlich dafür, dass in den Einrichtungen Strukturen bestehen, die Gefährdungsmomente minimieren; Präventionsmaßnahmen werden in das Qualitätsmanagement von Einrichtungen implementiert. Ordens- und Einrichtungsleitungen sind auf den Umgang mit Verdachtsfällen und erwiesenen Fällen vorbereitet.
  • Verhaltensregeln und ggf. diesbezügliche Dienstanweisungen sowie die Sanktionen bei Nichteinhaltung werden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekannt gemacht.
  • Kinder und Jugendliche sind über ihre Rechte zur Selbstbestimmung informiert und für das Thema Missbrauch sensibilisiert. Beschwerdewege sind transparent, nachvollziehbar und kontrollierbar.
  • Es braucht verbindliche Verfahrensregeln und Einstellungsvoraussetzungen für die Eignung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; der Träger sorgt für regelmäßige Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden zum Thema "sexueller Missbrauch Minderjähriger".
  • Entsprechende ordenseigene Leitfäden zur Prävention werden sämtlichen Ordensmitgliedern zur Kenntnis gebracht. Die Ordensleitung trägt dafür Sorge, dass - ggf. in eigenen Veranstaltungen - Gelegenheit für die Ordensmänner bzw. Ordensfrauen besteht, sich sachgerecht mit dem Thema Prävention sexuellen Missbrauchs auseinandersetzen zu können.
  • Die Aus- und Fortbildung von Ordensmitgliedern, Führungskräften in Einrichtungen sowie allen im kinder- und jugendnahen Bereich tätigen Personen sollte kontinuierliches Anliegen der Ordensleitung sein.

Ordensfrauen und -männern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Einrichtungen der Orden sollten fundierte Kenntnisse zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen vermittelt werden. In Ordensausbildung und Mitarbeiterschulungen werden die Frage nach dem richtigen Umgang mit Nähe und Distanz sowie eine persönliche Auseinandersetzung mit der Thematik "sexueller Missbrauch Minderjähriger" thematisiert. Es bedarf der Fähigkeit, unpassendes Verhalten von anderen anzusprechen, zurückzuweisen und zu beenden. Die Problematik der sexuellen Übergriffe durch Minderjährige untereinander erhält dabei ebenfalls ein besonderes Augenmerk. Eine Internetplattform mit umfangreichem Material zur Prävention von sexuellem Missbrauch Minderjähriger hat die Deutsche Bischofskonferenz geschaltet: www.praevention-kirche.de