Seelsorge und Pastoral

Seelsorge und Pastoral

"Da sagten die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten voll Unwillen zu seinen Jüngern: Wie könnt ihr zusammen mit Zöllnern und Sündern essen und trinken? Jesus antwortete ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten." (Lk 5,30 - 32)

Jesus weiß sich gesandt: Er ist vom Vater ausgeschickt worden, "damit die Welt durch ihn gerettet wird" (Joh 3,17). Zwar hat seine Sendung Grenzen: So weiß er sich gesandt "nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt 15,24), durchbricht diese Grenze aber immer wieder in Richtung der Heiden, bei denen er oft größeren Glauben findet als in seinem eigenen Volk (vgl. Lk 7,9). Das Ziel seiner Rettung ist das Heil der Menschen: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10). In seiner Person wendet sich Gott erneut und endgültig den Menschen zu, um sie zu sich zu führen.

Die ersten Christen haben rasch für sich erkannt, dass sie nun nicht mehr nur das Volk Israel als Ziel ihrer Mission betrachten konnten; sie folgten damit dem Auftrag Jesu: "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern" (Mt 28,19). Ihre Sorge für das Heil der Menschen treibt sie hinaus aus ihrer Heimat und führt sie "bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1,8).

Die Ordensgemeinschaften stehen in besonderer Weise in der Nachfolge Jesu. Daher haben sie im Lauf der Zeit auch die Seelsorge als ihr spezielles Tätigkeitsfeld für sich entdeckt. Von Anfang an haben Ordensleute dabei auch immer Grenzen erreicht und überschritten: Geografische Grenzen, wenn sie zur Mission in weit entfernte Länder und Regionen aufbrachen; aber auch geistige Grenzen, indem sie Menschen, die den Glauben verloren oder sich von der Kirche abgewandt hatten, nachgingen und damit dem Vorbild Jesu folgten, der als Hirte auch den verlorenen Schafen nachläuft (vgl. Mt 18,12 - 14).

Heute sind Ordensgemeinschaften daher in vielen Bereichen der Seelsorge und Pastoral tätig: Dazu gehört noch immer die Betreuung von Territorialgemeinden, also die Pfarrseelsorge. Bevorzugt aber arbeiten Ordensleute im Feld der sog. kategorialen Seelsorge: In Schulen und mit Jugendlichen, Studenten und Soldaten; an der Seite von Kranken, Behinderten, Alten und Sterbenden; in der Unterstützung von Pflegepersonal und Ärzten. Aber auch an den Rändern der Gesellschaft: Sie betreuen Strafgefangene, Drogenabhängige, Obdachlose, Asylbewerber und ausländische Mitbürger. Neben den besonderen Feldern der Seelsorge bedienen sich die Ordensgemeinschaften oft auch anderer Mittel, z.B. in der Telefonseelsorge. Und sie engagieren sich auch auf andere Weise, etwa durch die Mithilfe in Suppenküchen und Kleiderkammern.

Ein weiterer Tätigkeitsbereich sind spirituelle Angebote verschiedenster Art. Dazu gehören eher klassische Formen wie die feierliche Liturgie und das Stundengebet; aber auch religiöse Wochen oder Einkehrtage und Exerzitien. Auch leiten Ordensleute Gebets-, Bibel- und Meditationskreise. In ihrer pastoralen Tätigkeit erfüllen sie so den Auftrag Jesu: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh 20,21).