Kolumne

  • 21.05.2017   |  von Abt Albert Dölken

    Hermann-Josef und der Apfel

    In diesen Tagen gedenkt der Orden der Prämonstratenser des Heiligen Hermann-Josef von Steinfeld. Hermann-Josef wurde 1155 /60 in Köln geboren und kam mit zwölf Jahren in die Prämonstratenserabtei Steinfeld bei Kall / Urft in der Eifel. Von Kindheit an hatte er eine große Liebe zu Jesus und seiner Mutter. “Josef” ist eigentlich ein Beiname, den ihm seine Mitbrüder gaben, nachdem er sich mystisch mit Maria vermählt hatte. In einigen Hymnen und Gebeten die er selbst verfasst hat, kommt eine eher zarte Frömmigkeit zum Ausdruck. Der allererste Herz-Jesu-Hymnus geht auf ihn zurück: “

    O Herz des Königs aller Welt, des Herrschers in dem Himmelszelt, dich grüßt mein Herz in Freuden. Du Träger aller Bürd und Last, du aller Müden Ruh und Rast, du Trost in allen Leiden!
    Ach, wie bezwang und drang dich doch dein edle Lieb, ins bittre Joch der Schmerzen dich zu geben, da du dich neigtest in den Tod, zu retten aus der Todesnot mich und mein armes Leben.
    Laß deine Flamm und starke Glut durch all mein Herze, Geist und Mut mit allen Kräften dringen. Laß deine Lieb und Freundlichkeit zur Gegenlieb und Dankbarkeit mich armen Sünder bringen.”

    Hermann-Josef hatte eine große mystische Begabung. So wurde er von seinen Klosteroberen, wenngleich er Priester war, als Sakristan in Steinfeld eingesetzt. Das gab ihm die Möglichkeit, große Teile des Tages in der Kirche, im Heiligtum zu verbringen und das machte ihn sehr glücklich. Er war ein hoch geschätzter Exerzitienleiter in benachbarten Frauenklöstern. Das praktische Leben blieb ihm dabei nicht verschlossen. Er verstand sich hervorragend auf das Reparieren von Uhren und übernahm gerne alle praktischen und auch die einfachsten Dienste im Haus. Es wird überliefert, dass der Steinfelder Abt ihn nicht so gerne zu geistlichen Vorträgen in Schwesterngemeinschaften ziehen ließ. Deshalb hätten manche Klöster seine Anwesenheit unter dem Vorwand erbeten, die Uhren im Haus und im Turm seien verstellt und reparaturbedürftig. Da es weit und breit nur Hermann-Josef als “Fachmann” gab, konnte der Abt die Bitte nicht ausschlagen. Tatsächlich war er vor allem als geistlicher Begleiter, Exerzitienmeister und Beichtvater beliebt und hochgeschätzt. Gestorben ist er 1241 oder 1252 im Frauenkloster Hoven bei Zülpich. Sein Grab wird bis heute verehrt. Die Reliquien befinden sich in einem Hochgrab inmitten der ehemaligen Abteikirche in Steinfeld. Die Gewalteinwirkungen der Geschichte brachten das Klosterleben in Steinfeld nie endgültig zum Erliegen. Nach den Prämonstratensern siedelten sich Salvatorianer und Salvatorianerinnen in Steinfeld an. In unmittelbarer Nachbarschaft lebt außerdem eine Benediktinerinnen-Gemeinschaft. Steinfeld ist und bleibt ein heiliger Ort, zu dem auch viele Menschen pilgern und den Heiligen Hermann-Josef um seine Fürsprache anrufen. Er gilt unter anderem als recht zuverlässiger Helfer bei der Suche nach geistlichem Nachwuchs. Seit dem Generalkapitel der Prämonstratenser im Jahre 1988, das im Kloster Steinfeld stattgefunden hat, hat sich der schöne Brauch entwickelt, am Grab des Heiligen einen Apfel zu hinterlassen. Hintergrund ist eine Begebenheit aus der Kindheit Hermann-Josefs: Er soll dem von Maria gehaltenen Jesuskind in Maria im Kapitol zu Köln einen Apfel gereicht haben. Das Jesuskind habe den Apfel angenommen. Wenn man in der Lebensbeschreibung des Heiligen Hermann-Josef liest, dann gewinnt man schnell den Eindruck, in eine sehr ferne und vergangene Welt einzutauchen. Und man fragt sich unwillkürlich, was davon ist in unsere Zeit übertragbar? Gibt es über die Dankbarkeit für das Vergangene hinaus gute Gründe, heute noch an der Verehrung dieses Heiligen festzuhalten? Nun, dem Heiligen Hermann-Josef kommt in der Erwartungshaltung der Pilger und Gläubigen sicher insbesondere die Rolle eines Fürsprechers in vielen Anliegen zu. Seine Liebe zu Gott, seine Menschenfreundlichkeit, Dienstbereitschaft und Güte machen ihn über seine Lebenszeit hinaus zu einem bleibenden Vorbild christlichen Lebens – innerhalb und außerhalb von Klostermauern.

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