Ordensgemeinschaften in Deutschland

Vatikan-Nein zur Segnung homosexueller Paare: Ordensgemeinschaften reagieren mit Empörung und Kritik

INFAG: "Erschreckendes Maß an humanwissenschaftlicher, theologischer und pastoraler Ignoranz"

In einem "Responsum" vom 15. März hatte die Vatikanische Glaubenskongregation mitgeteilt, die Kirche besitze keine Vollmacht, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Die Begründung: "Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist" sei nicht erlaubt. Selbst "positive Elemente" dieser Beziehungen seien nicht geeignet, diese Partnerschaften zu "rechtfertigen". In der Kirche in Deutschland hat diese Positionierung zu vielfachen - vorwiegend kritischen - Reaktionen geführt. Auch Ordensgemeinschaften sowie einzelne Ordensfrauen und -männer melden sich zu Wort:

Die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft (Infag), ein Zusammenschluss der deutschsprachigen franziskanischen Ordensgemeinschaften in Deutschland, Luxemburg und Belgien,  reagierte in einem Statement vom 24. März betroffen: "Mit Empörung hat die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft (Infag) [...] das Schreiben der Glaubenskongregation zur Frage der Segnung von homosexuellen Paaren zur Kenntnis genommen" Es unterstelle gleichgeschlechtlich liebenden Paaren, nicht Teil des göttlichen Schöpfungsplans zu sein und fordere homosexuelle Menschen auf, ihre sexuelle Orientierung zu unterdrücken. Dies sei Diskriminierung. Das Responsum dokumentiere damit "ein erschreckendes Maß an humanwissenschaftlicher, theologischer und pastoraler Ignoranz."

Auch die Clemensschwestern in Münster reagierten mit Unverständnis. In ihrer Reaktion vom 23. März auf das vatikanische "Nein" erklärt die Generalleitung der Gemeinschaft: "[Jesus Christus] kam als ein Liebender, der sich den Menschen liebevoll zuwendet, der sie befähigt zu lieben, wie er liebt. Wie könnten wir dann Menschen, die lieben, Beistand und Segen verweigern?"

P. Christoph Lentz SAC, Rektor der pallottinischen Kommunität und Regens des Pastoraltheologischen Instituts (PthI) in Friedberg bei Augsburg, bekennt Farbe: Am Friedberger Pallotti-Haus weht seit dem 19. März eine große Regenbogen-Fahne mit der Aufschrift: "'Du sollst ein Segen sein' Gen 12,2" Das vatikanische Responsum sei "unsäglich, untragbar und für die Menschen nicht verständlich", so P. Lentz. "Unsere Gemeinschaft betont, dass Gott die Liebe ist und dass, wer in der Liebe bleibt, in Gott bleibt und er in ihm." (hier: Meldung auf pallottiner.org)

Ordensleute auf dem Synodalen Weg schließen sich der Kritik an. „Wir tun dies im Wissen, dass Gott alle Menschen - unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität und ihren individuellen Lebensentwürfen - gleichermaßen liebt und ihnen seinen Segen unterschiedslos zuspricht.“, heißt es in einem Statement vom 26. März. Es sei die Lehre ihrer Ordensgründer*innen, in der Nachfolge Jesu ausnahmslos alle Menschen zu ehren und ihnen den Segen Gottes weiter zuzusagen: „In diesem Sinne werden wir uns auch für angemessene liturgische Formen zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzen.“

Dieser Artikel wurde am 26. März um den Absatz zu Ordensleuten auf dem Synodalen Weg ergänzt.

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