Ausgabe 1/2017

Themenschwerpunkt: Protestantisches Ordensleben im deutschsprachigen Raum

Die Geschichte der Kirche ist eine Geschichte der Reformen. Seit dem frühen eremitischen Mönchtum haben die Klöster und Ordensgemeinschaften darin eine zentrale Rolle gespielt. Besonders Ordensmänner und -frauen sind es, die Formen von Umkehr in ihrem eigenen Leben umsetzen und zu Mahnern in Kirche und Gesellschaft werden. Die Ordenswelt selbst ist von einer Vielfalt von Reformen geprägt; die verzweigten „Stammbäume“ manch einer Ordensfamilie erzählen davon. Reformen und Trennungen sind schmerzhaft. Und doch sind Reformen notwendig, um lebendig zu bleiben.

Auch die Reformation, derer wir in diesem Jahr in besonderer Weise gedenken, beginnt in einem Kloster. Eine Reformation, die - dort wo sie wirksam wurde - vielfach einen Abbruch der Ordenstraditionen mit sich brachte. Ordensleben schien diesmal eben nicht reformierbar zu sein. Die Reformbemühungen, die in der katholischen Kirche zum Beispiel mit der Gründung des Jesuitenordens einhergingen, zeigen jedoch, dass dem nicht so war.

Wenig im Bewusstsein verankert ist aber, dass Klöster in protestantischen Kirchen sehr wohl als Orte des Gebets und der Bildung weiter bestanden - in reformierter Form. Neuaufbrüche im zwanzigsten Jahrhundert begründen heute ein vielfältiges Kommunitätsleben im protestantischen Raum. Die Evangelische Kirche bezeichnet diese Kommunitäten heute als einen „Schatz“, den es zu fördern und zu festigen gelte. Sie schöpfen aus den alten und jungen Quellen des Ordenslebens und haben für sich Formen gefunden, dieses zu leben.

So kann sich anlässlich des Gedenkens an 500 Jahre Reformation ein Heft der Ordenskorrespondenz mit einem Themenschwerpunkt dem „Ordensleben im evangelischen Bereich“ widmen. Mehr noch: Wo katholische Ordensgemeinschaften und evangelische Kommunitäten in freundschaftlicher Ökumene einander begegnen und miteinander arbeiten, kommt es zu einem Austausch, der beide Seiten bereichert. Es ist zu hoffen, dass die Begegnungen dieses Gedenkjahres Ansporn sind, in aller Vielfalt des Ordenslebens auf diesem Weg weiterzugehen.