Ausgabe 3/2019

Themenschwerpunkt: Orden in Politik und Gesellschaft

Ist Religion Privatsache? Auf diese Frage antwortete der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse einmal folgendermaßen: „Ja“, der Glaube sei, so Thierse, eine persönliche Sache des Einzelnen, über die der Staat nicht bestimmen dürfe. Zum anderen aber „Nein“: Religion sei mehr als das Fürwahrhalten von Dogmen, sondern eine Einweisung in ein gutes, sinnvolles Leben und ins soziale Tun. Ein zweites „Nein“: Die Gesellschaft lebe von den Bürgern, die sich von starken Überzeugungen geleitet für das Gemeinwohl einsetzten.
Was Thierse aus Sicht des Politikers formuliert, deckt sich mit dem biblischen Liebesgebot:  Der christliche Glaube provoziert und verlangt, für andere da zu sein – er ist notwendig auch politisch. Übertragen auf Ordenschristen bedeutet dies: Ihre persönliche Berufung zur Nachfolge Christi hat eine öffentliche, (gesellschafts-)politische Dimension.
Diese Ausgabe der Ordenskorrespondenz bietet Beispiele für das politische Engagement von Ordensleuten. Zunächst geht Martin Üffing SVD aber in einem Grundsatzbeitrag der Frage nach, inwieweit Mission als Grundvollzug der Kirche eben auch politisch sei. Udo Schmälzle OFM erinnert an die historische Begegnung des hl. Franziskus mit Sultan al-Kamil vor genau 800 Jahren. Das Treffen kann als ein auch heute noch beispielgebender Akt gegen den religiösen Militarismus der damaligen Zeit gesehen werden. Jörg Alt SJ spricht sich in einem eindringlichen Plädoyer für eine christliche „Advocacy“ (Anwaltschaft) aus, die sich mit den Armen und Entrechteten solidarisiert. Wie diese konkret aussehen kann, beschreiben Scholastika Jurt OP und Abt Johannes Schaber OSB am Beispiel des Kirchenasyls. Gregor Schmidt MCCJ meldet sich vom „Ende der Welt“ aus den südsudanesischen Nilsümpfen und beschreibt, wie er das Leben mit den Menschen dort teilt. Ausgelöst von den Debatten über die deutsche Flüchtlingspolitik entstand in München die Initiative „OrdensFrauen für MenschenWürde“. Hildegard Schreier MC berichtet über die Ziele der Bewegung. Ein politisches Engagement der ungewöhnlichen Art zeigt Nikodemus Schnabel OSB. Der Benediktinerpater arbeitet ein Jahr als externer Berater im neu gegründeten Referat „Religion und Außenpolitik“ des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Politik nimmt offenbar „die“ Religion als wichtigen Faktor wahr.
Im Sinne einer „Resonanz“ reagiert Igna Kramp CJ auf den Beitrag „Im Angesicht des Missbrauchs“ von Wolfgang Treitler im letzten Heft (2/2019). Schließlich steuert Rüdiger Althaus wichtige rechtliche Anmerkungen zum „Stammvermögen von Ordensgemeinschaften“ bei, und Noach Heckel OSB bietet insbesondere kleineren und älteren Gemeinschaften Erläuterungen zur Instruktion „Cor Orans“ an. Den ersten Teil seines Aufsatzes veröffentlichen wir in diesem Heft. Der zweite folgt in Ausgabe 4/2019.

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