Ordensgemeinschaften in Deutschland

Wanderexerzitien für sozialökologischen Wandel

Christoph Albrecht SJ: Vieles zurücklassen und die Leichtigkeit des Seins zulassen

Die Klimakrise ist eine reale Bedrohung für unsere Welt und die Menschen – ökologisch wie sozial. Ordensgemeinschaften setzen sich vor diesem Hintergrund für soziale Gerechtigkeit und das Erreichen nachhaltiger Entwicklungsziele ein. Sie engagieren sich in verschiedensten Projekten für eine klimagerechte Welt in der Zukunft (vgl. Ordenskorrespondenz 4/2021: Gott hat uns einen blühenden Garten geschenkt). Ein aktuelles Beispiel stellt das Kontemplative Bergwandern von Christoph Albrecht SJ dar. Der Jesuit bietet schon seit vielen Jahren Wanderexerzitien an, um beim Gehen, Wandern, Pilgern, Meditieren, Beten und gemeinsamen Singen mit der Natur verbunden zu sein und ganz bewusst Dinge zurückzulassen.

„Es braucht eine radikale Umorientierung eines möglichst großen Teils der Bevölkerung“

Der Ordensmann erklärt: „Die ökologische Katastrophe kann nicht allein durch die Veränderung des Lebensstils einzelner Menschen verhindert werden. Diese ernüchternde Einsicht teilt auch Papst Franziskus in seiner sozial-ökologischen Enzyklika Laudato Si'. Umgekehrt können wir uns auch nicht allein auf umweltverträgliche technologische Entwicklungen und politische Entscheidungen verlassen. Es braucht eine radikale Umorientierung eines möglichst großen Teils der Bevölkerung, vor allem in den Ländern mit verbreitetem Wohlstand, in denen die Menschen tatsächlich die Wahl haben, auf umweltbelastende und ressourcenintensive Produkte und Dienstleistungen zu verzichten. Auch das sieht Papst Franziskus sehr deutlich.“

Rationale Erkenntnis und ethische Einsicht allein brächten jedoch – so P. Albrecht – bei den allerwenigsten Menschen die erforderliche Neuorientierung. Letztere geschehe vor allem dort, wo Menschen existentielle und spirituelle Beweggründe für einen geschwisterlichen Umgang miteinander und mit anderen Lebewesen haben.

„Wer einmal die seelische Leere des käuflichen Überflusses gespürt, …“

Im Bewusstsein der tiefen Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung träfen wir viele Entscheidungen in einem rücksichtsvolleren, ganzheitlicheren und nachhaltigeren Sinn, meint der Jesuit. In den Routinen des Alltags sei es indes oft schwierig, neue Möglichkeiten zu entdecken und einzuüben. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, von Zeit zu Zeit aufzubrechen. „Wer einmal die seelische Leere des käuflichen Überflusses gespürt, dann aber auch die Freude am Glück eines Kindes oder auch an einer aufblühenden Pflanze erfahren hat, versteht sehr wahrscheinlich schon etwas von dieser öffnenden Geborgenheit und respektvollen Freiheit, in die hineinzuwachsen wir als Menschen eingeladen sind.“

Zur Ankündigung des Kontemplativen Bergwanderns auf jesuiten.org

 (Mit Material von SJ)