Kolumne

  • 16.12.2018   |  von P. Johannes Siebner SJ

    Stroh aus Gold

    Mit Goldfäden hat mein Advent begonnen. Ein Text meines Mitbruders Alfred Delp steht auf der ersten Seite meines diesjährigen Adventskalenders. Er lädt ein zu Verzicht auf „die anmaßenden Gebärden und verführerischen Träume, mit denen und in denen sich der Mensch immer wieder etwas vormacht.“ Und dann macht Delp auf die Besonderheit des Advents aufmerksam: „Gerade in der Herbheit des Aufwachens, in der Hilflosigkeit des Zusichselbstkommens …  erreichen den Menschen die goldenen Fäden, die in diesen Zeiten zwischen Himmel und Erde gehen und der Welt eine Ahnung von der Fülle geben, zu der sie gerufen und fähig ist.“ Und auch jetzt in der dritten Adventswoche gilt, dass der Advent eine Zeit der Verheißung ist, noch nicht der Erfüllung.

    Bei uns zu Hause, so erinnere ich es aus der Kindheit, waren diese letzten Tage des Advents dann doch von sehr konkreter Vorbereitung für das Fest geprägt. So wurde unter anderem auch der große Karton mit der Krippe vom Dachboden geholt. Natürlich wurde die Krippe erst am 24. Dezember richtig aufgebaut. Aber es brauchte doch die Kontrolle, ob alles heil ist, ob die Batterie für die flackernde Lampe im Stall noch hebt, … und ob das Stroh noch taugt oder eben neues Stroh besorgt werden muss. Daran musste ich spontan denken, als ich von den „Goldfäden“ las, die Pater Delp da zwischen Himmel und Erde spinnt.

    Die Verheißung also täuscht? Verspricht nicht das goldene Schimmern ein Aufscheinen großartiger Herrlichkeit und göttlicher Glorie? Lässt sich nicht aus den Fäden ein Tau flechten – ein mächtiges Statement Gottes in dieser Welt? Doch. Es kommt aber noch ein anderer Tonfall dazu, wenn Gott Mensch wird. Und auch darauf bereiten wir uns besser schon im Advent vor, wenn Weihnachten nicht schon am 25. Dezember zu Ende sein soll. Und daran erinnert das Stroh: „Der die ganze Welt erhält, Ihre Pracht und Zier erschaffen, muss in harten Krippen schlafen.“ So heißt es in der Bach-Kantate zu Beginn des großen Weihnachtsoratoriums. Wir feiern auch Gottes Ohnmacht. Gott selber, so könnte man das Weihnachtsgeheimnis übersetzen, feiert unsere menschliche Ohnmacht und nimmt sie an. Davon künden die Goldfäden, von denen Pater Delp spricht – übrigens im Angesicht des Todes.

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